Proteste in Katalonien: Generalstreik sorgt für Chaos
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15:35 18.10.2019
Die Ausschreitungen in Katalonien brechen nicht ab. Quelle: imago images/Agencia EFE
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Barcelona

In Katalonien hat am Freitag ein Generalstreik aus Protest gegen die Haftstrafen für neun Separatistenführer begonnen. Am Flughafen von Barcelona wurden mehrere Dutzend Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen.

Viele Passagiere seien vorsorglich fünf bis sechs Stunden vor ihrem Flug zum Airport El Prat gekommen, berichtete das spanische Fernsehen. Auch Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit nieder; die große katalanische Supermarktkette Bonpreu blieb ebenfalls geschlossen.

Der Zugverkehr verlief zunächst normal, allerdings seien die Sicherheitskräfte etwa am Hauptbahnhof von Barcelona verstärkt worden, hieß es. Demonstranten blockierten schon am Morgen mehrere Straßen der abtrünnigen Region. Im Laufe des Tages wurde mit weiteren Demonstrationen und Protestaktionen gerechnet.

Am Nachmittag sollten fünf "Märsche für die Freiheit" Barcelona erreichen. Die Teilnehmer hatten sich vor einigen Tagen in verschiedenen Teilen der Region in Richtung ihrer Hauptstadt aufgemacht, wo eine Großkundgebung geplant ist.

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Schon vor dem Generalstreik war es zu weiteren Demonstrationen von Separatisten in Katalonien gekommen. Bereits die vierte Nacht in Folge. Mindestens elf Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei der nordostspanischen Region in der Nacht zum Freitag auf Twitter mit.

Es habe rund ein Dutzend Verletzte gegeben, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf die Notdienste. Wegen der Unruhen habe die spanische Fußball-Liga die Verschiebung des für den 26. Oktober geplanten Spitzenspiels zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid beschlossen, hieß es zudem. Medien berichten zudem, der spanische Fußball-Verband RFEF habe dem FC Barcelona und Real Madrid den 18. Dezember als neuen Termin für den „Clásico“ vorgeschlagen.

Die beiden Clubs seien mit dem neuem Austragungstermin einverstanden, berichteten Medien wie die Zeitungen „As“ und „Marca“. Die Profi-Liga sei aber dagegen, den „Clásico“ an einem Mittwoch austragen zu lassen - offenbar weil Einbußen bei den TV-Einnahmen befürchtet werden. Der Verband habe alle Parteien dazu aufgefordert, sich bis Montag auf einen neuen Termin zu einigen, hieß es.

Die heftigsten Zusammenstöße gab es in der Regionalhauptstadt Barcelona. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung setzten im Zentrum unter anderem Müllcontainer sowie Tische und Stühle von Straßencafés in Brand. Außerdem seien eine Bankfiliale und ein Bekleidungsgeschäft verwüstet worden, teilte die Polizei mit.

Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Beamten seien erneut mit Steinen und Böllern angegriffen worden und hätten ihrerseits Schaumgeschosse eingesetzt, hieß es in Medienberichten.

Verhindern konnte die Polizei Zusammenstöße zwischen den Separatisten, die nach Unabhängigkeit für die wirtschaftlich starke Region im Nordosten Spaniens streben, und Rechtsradikalen, die eine Gegenkundgebung veranstalteten. Nach Schätzungen des spanischen Fernsehens waren auch nach Mitternacht in Barcelona noch viele Tausend Unabhängigkeitsbefürworter unterwegs. Demonstrationen gab es am Donnerstag auch in anderen katalanischen Städten wie Girona und Lleida.

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Die Proteste hatten nach der Verurteilung von neun Separatistenführern zu langjährigen Haftstrafen begonnen. Wegen des gerichtlich für illegal erklärten Abspaltungsreferendums von Oktober 2017 hatte das Oberste Gericht in Madrid am Montag sieben ehemalige katalanische Spitzenpolitiker und zwei Anführer ziviler Organisationen schuldig gesprochen. Die Höchststrafe bekam der Ex-Vizeregionalchef Oriol Junqueras mit 13 Jahren Freiheitsentzug.

An diesem Freitag wollen die Separatisten Katalonien mit einem Generalstreik lahmlegen. In Barcelona wurden auch Tausende Teilnehmer zu „Märschen für die Freiheit“ erwartet, die sich in den vergangenen Tagen in fünf Städten der Region auf den Weg dorthin gemacht hatten.

Kritik auch vom separatistischen Regionalpräsidenten

Der separatistische Regionalpräsident Quim Torra hatte die Gewalt in der Nacht zum Donnerstag erstmals kritisiert. „Das muss sofort aufhören. Es gibt weder einen Grund oder eine Rechtfertigung dafür, Autos in Brand zu stecken, noch für andere vandalische Aktionen“, sagte er in einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung.

Die sozialistische Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez weist derweil die Forderungen konservativer Kräfte zurück, Katalonien erneut unter Zwangsverwaltung zu stellen, wie es schon nach dem Unabhängigkeitsreferendum vom Herbst 2017 geschehen war.

Puigdemont stellt sich

Unterdessen hat sich der frühere katalanische Regierungschef Carles Puigdemont den belgischen Behörden gestellt. Puigdemont habe sich mit seinen Anwälten wegen des gegen ihn erlassenen Haftbefehls freiwillig zu den Behörden begeben, teilte sein Büro am Freitag mit. Er weise den Haftbefehl zurück und wolle sich nicht nach Spanien ausliefern lassen.

Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte am Montag einen neuen internationalen Haftbefehl gegen Puigdemont erlassen, weil dieser vor gut zwei Jahren trotz Verbots des Verfassungsgerichts ein Referendum über die Loslösung Kataloniens von Spanien abgehalten hatte. Drei Wochen später erklärte das Regionalparlament die Unabhängigkeit und wurde daraufhin von der Zentralregierung in Madrid aufgelöst.

Puigdemont wurden Aufruhr und die Zweckentfremdung öffentlicher Mittel vorgeworfen. Puigdemont setzte sich nach Belgien ab. Er wurde im vergangenen Jahr in Deutschland festgenommen, kam aber frei, nachdem Spanien einen ersten Haftbefehl aufgehoben hatte.

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RND/dpa

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