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Deutschland / Welt Rechtsrock in Themar – warum das Konzert die kleine Gemeinde spaltet
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Rechtsrock in Themar – warum das Konzert die kleine Gemeinde spaltet
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13:06 03.07.2019
Ein Foto aus dem letzen Jahr: Vor dem Ortsschild von Themar warten Teilnehmer des Festivals „Tage der nationalen Bewegung“ auf den Einlass zum Festivalgelände. Quelle: dpa
Erfurt

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hofft darauf, künftig größere Rechtsrock-Konzerte aus Thüringen zu verbannen. „Wenn hier Strukturen gewachsen sind, rechtsextremistische Strukturen, dann hat das auch damit zu tun, dass über diese Konzerte Geldmittel eingetrieben wurden“, sagte Maier der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Im südthüringischen Themar (Kreis Hildburghausen) ist am Wochenende ein Rechtsrock-Festival geplant. Das Verwaltungsgericht in Meinigen hatte am Montag etliche Auflagen des Kreises bestätigt: Am Samstag dürfen die Rechten keinen Alkohol ausschenken, am Freitag nur Leichtbier. Die Beschlüsse sind noch nicht rechtskräftig. Widerstand von der Bevölkerung gegen das Konzert ist geplant. Ein Überblick:

Was soll in Themar passieren?

Erneut haben Rechtsextreme in der 2800-Einwohner-Stadt in Südthüringen ein Rechtsrock-Konzert angemeldet – mit dem Namen „Tage der nationalen Bewegung“. Nach Angaben der Polizei haben die Veranstalter zwischen 800 und 1200 Besucher angemeldet. In der Vergangenheit haben sich solche Anmeldungen aber als unzuverlässig erwiesen. Im Jahr 2017 kamen mehr als 6000 Menschen aus der rechten Szene aus ganz Europa. Das Konzert ist auch diesmal als politische Versammlung angemeldet. Dadurch gilt der grundgesetzlich garantierte Schutz der Versammlungsfreiheit – ein Verbot solcher Konzerte gilt damit als kaum möglich.

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Gibt es Proteste dagegen?

Ja, es sind Protestkundgebungen geplant. Die Gegendemonstranten wollen in diesem Jahr links und rechts der Veranstaltungsfläche der Rechtsextremen zeigen, dass sie mit den dort zu erwartenden Parolen nicht einverstanden sind. Die Botschaften, die mit solchen Konzerten gesendet würden, seien „geistige Brandstifterei“, sagte Themars Bürgermeister Hubert Böse im Vorfeld des Konzerts. „Das, was hier passiert, das, was hier transportiert wird, das ist purer Hass, das ist menschenverachtend.“

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) regte an, Biervorräte aufzukaufen, wie es die Bürger im sächsischen Ostritz vor etwa eineinhalb Wochen getan hatten. „Wenn die das machen, fahre ich dorthin und kaufe privat auch in Größenordnungen Bier“, sagte Maier. Die Thüringer Polizei hat unterdessen eine Tankstelle in der Nähe gemietet, wo sich Festivalbesucher in vergangenen Jahren mit Alkohol versorgten, und zu einer Art Hauptquartier gemacht.

Welche Strategie verfolgt die Polizei?

Die Thüringer Polizei wird mit einem Großaufgebot vor Ort sein. Genaue Angaben dazu, wie viele Beamte im Einsatz sein werden, machte die Polizei im Vorfeld nicht. Allerdings erklärte Innenminister Maier, dass es mehrere Hundert Beamte aus verschiedenen Bundesländern sein werden. Der Vizepräsident der Landespolizeidirektion, Thomas Quittenbaum, kündigte strenge Kontrollen an.

Für die Bürger, die ihren Protest gegen das Rechtsrock-Konzert ausdrücken wollten, werde die Polizei mehr Freund, Helfer und Auskunftsperson als Eingriffspolizei sein. „Die Eingriffspolizei richtet sich gegen Störer unserer Demokratie“, sagte er. Nach Quittenbaums Angaben bedeute das auch, dass alle Rechtsextreme, die in der Stadt unterwegs sein wollen, von Polizeibeamten begleitet werden.

Wie ist die Stimmung in der Stadt im Vorfeld des Konzerts?

Angespannt und das nicht nur, weil wahrscheinlich wieder Hunderte Rechtsextremen in die Region kommen werden. Seit in Themar 2017 ein Rechtsrock-Konzert mit etwa 6000 Besuchern stattgefunden hat, ist die lokale Gemeinschaft tief gespalten. Auch auf einer Einwohnerversammlung wurde erneut deutlich, dass es Menschen dort gibt, die sich gegen die Rechtsextremen stellen wollen. Andere glauben, der Protest gegen den Rechtsrock werte die Neonazis noch auf. Wieder andere in der Stadt sympathisieren mit dem rechten Gedankengut.

Von RND/dpa/lc

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