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Deutschland / Welt Gegner der Unabhängigkeit liegen knapp vorn
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Gegner der Unabhängigkeit liegen knapp vorn
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11:49 18.09.2014
Bleibt Schottland ein Teil von Großbritannien oder wird es ein unabhängiges Land? Darüber stimmen heute mehr als vier Millionen Schotten ab.
Bleibt Schottland ein Teil von Großbritannien oder wird es ein unabhängiges Land? Darüber stimmen heute mehr als vier Millionen Schotten ab. Quelle: dpa
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Edinburgh

In den letzten Umfragen lagen die Gegner einer schottischen Unabhängigkeit erneut knapp vor dem "Ja"-Lager. Allerdings könnten die bis zuletzt unentschiedenen Wähler den Ausschlag geben. Vor den Wahllokalen in Edinburgh herrschte am Morgen ein reger Andrang. "Das ist ein sehr spezieller Tag, einmalig im Leben", sagte der Leiter der örtlichen Wahlkommission, Peter Macvean.

Am Mittwochabend hatten die beiden Lager ihre Anhänger nochmals auf die Abstimmung eingeschworen. Auch der schottische Regierungschef Alex Salmond wandte sich am Vorabend der Abstimmung nochmals an seine Landsleute. Er nannte die Unabhängigkeit "unsere Chance des Lebens". Der frühere britische Premierminister Gordon Brown appellierte hingegen an die Schotten, im Königreich zu bleiben.

Auch US-Präsident Barack Obama plädierte für die Einheit Großbritanniens. Das Vereinigte Königreich sei ein "außergewöhnlicher Partner" der USA und eine zuverlässige Kraft in einer instabilen Welt, schrieb Obama am Mittwoch im offiziellen Profil des Weißen Hauses im Internetdienst Twitter. "Ich hoffe, es bleibt stark, robust und vereint."

Aufgeschreckt durch eine Umfrage, die das Unabhängigkeitslager vorn sah, hatten die politischen Spitzen Großbritanniens in den vergangenen Tagen intensiv um die Schotten geworben. Premierminister David Cameron warnte vor einer "schmerzhaften Scheidung", welche die Schotten teuer zu stehen komme. Mit wortreichen Versprechen für mehr Selbstbestimmung versuchten die drei großen Parteien aus London, die Schotten im Boot zu halten.

Die Wahlbüros in Schottland schließen am Donnerstagabend um 23 Uhr. Es wird mit einer hohen Wahlbeteiligung gerechnet. 97 Prozent der Stimmberechtigten haben sich für das Referendum registriert. Ein Ergebnis soll am Freitagmorgen vorliegen.

afp

Stichwort Schottland

Schottland wird zwar zentral von London aus regiert - der Region sind aber wie den anderen britischen Landesteilen auch Kompetenzen übertragen worden ("Devolution"). So hat Schottland nicht nur ein eigenes Bildungssystem, sondern seit Ende der neunziger Jahre auch ein Regionalparlament in der Hauptstadt Edinburgh. Seit 2007 regiert in dem nördlichen Landesteil die Scottish National Party, Ministerpräsident ist Alex Salmond.

Zum Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland - so lautet der offizielle Name - gehören neben Schottland auch England, Wales und Nordirland. Im dünn besiedelten Schottland mit seiner Fläche von etwa 79.000 Quadratkilometern leben rund 5,3 Millionen Einwohner, das sind nur 68 Einwohner pro Quadratkilometer. In Schottland sprechen einige Menschen neben Englisch auch Gälisch.

1707 wurde Schottland mit England zum Königreich Großbritannien vereinigt. Die Schotten haben dennoch eigene Nationalmannschaften, etwa im Fußball und Rugby, und eine eigene blau-weiße Flagge. Viele Menschen verbinden mit Schottland auch die mit Karos gemusterten Kilts, Whisky und die Highlands. Am 18. September 2014 findet ein Referendum über eine Abspaltung von Großbritannien statt.

dpa