Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Regierung in Sri Lanka wertet Anschläge als Vergeltung für Christchurch
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Regierung in Sri Lanka wertet Anschläge als Vergeltung für Christchurch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 23.04.2019
Schuhe und persönliche Gegenstände von Opfern liegen an der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche. Quelle: Gemunu Amarasinghe/AP/dpa
Anzeige
Colombo

Zwei Tage nach den Selbstmordanschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer auf 310 gestiegen. Das erklärte die Polizei am Dienstag auf Anfrage. Mehr als 500 Verletzte wurden nach den Explosionen den Angaben zufolge noch in Krankenhäusern behandelt. 42 Menschen sind nach Angaben der Polizei bisher in Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger.

Von der Regierung hieß es am Montag, insgesamt sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hätten sich in den drei Kirchen und drei Luxushotels in die Luft gesprengt. Sie hätten der einheimischen radikal-islamischen Gruppe National Thowheeth Jamaath angehört.

Nach ersten Erkenntnissen der Regierung waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament.

Lesen Sie auch: Sri Lanka: Dänischer Milliardär verliert drei Kinder bei Anschlägen

Staatspräsident Maithripala Sirisena erklärte einen öffentlichen Notstand. Die zunächst nicht näher benannten Bestimmungen traten in der Nacht zum Dienstag in Kraft, der zu einem nationalen Trauertag erklärt wurde. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo am Ostersonntag eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.

In der Nacht auf Dienstag hatte erneut eine Ausgangssperre gegolten. Um das Verbreiten von Gerüchten zu unterbinden, blieb der Zugang zu sozialen Medien gesperrt.

Sicherheitskräfte sollen weitreichende Befugnisse bekommen

Sirisena habe den Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen erklärt, hieß es in einer Erklärung des Präsidenten.

Die Sicherheitskräfte sollen seinem Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten. Nach dem Gesetz können diese etwa für Hausdurchsuchungen ohne Erlaubnis eines Gerichts und für Verhaftungen ohne Haftbefehl gelten. Solche Bestimmungen waren während des Bürgerkriegs in Sri Lanka von 1983 bis 2009 fast dauerhaft in Kraft - und auch darüber hinaus noch bis 2011.

Lesen Sie auch: Anschläge auf Sri Lanka: „Terroristen zielen bewusst auf Gläubige“

Die Hintergründe für die Taten blieben unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte. Mehr als 20 Häuser seien inzwischen durchsucht worden, sagte die Polizei. Die Terrororganisation Islamischer Staat reklamierte die Anschläge am Dienstag für sich. Sie habe es auf Christen abgesehen sowie auf Bürger aus Ländern, die ihr Territorium bombardiert hätten.

Regierung geht von Hilfe aus dem Ausland aus

Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutsch-Amerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Weitere deutsche Opfer gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht, sagte eine Sprecherin am Montag weiter. 14 Ausländer werden nach Angaben des Außenministeriums Sri Lankas noch vermisst.

Die Regierung ist überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. „Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren“, sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. „Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.“

Lesen Sie auch: Sri Lanka: Eines der Todesopfer hatte deutschen und US-Pass

Nach den Worten von Senaratne gab es vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der National Thowheeth Jamaath. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. „Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid“, sagte Senaratne im Namen der Regierung.

Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

Nationalistische Bewegungen von Buddhisten, Hindus und Muslimen

Die meisten Opfer hatte es bei den Anschlägen in den Kirchen gegeben, als gerade Ostergottesdienste stattfanden. In dem Inselstaat sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen. Deutsche Politiker von CDU, FDP und Grünen beklagten vor dem Hintergrund der Anschläge die gewachsene Bedrohung christlicher Minderheiten in vielen Staaten.

„Der Terror in Sri Lanka reiht sich ein in verschiedene Anschläge gegen Christen weltweit“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), der „Welt“. Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der „Bild“: „Ich sehe mit großer Besorgnis die wachsende Christenverfolgung im gesamten asiatischen Raum. Nationalistische Bewegungen von Buddhisten, Hindus und Muslimen werden hier immer militanter.“

Von RND/dpa/ngo

Bei Unruhen in Nordirland wurde eine Journalistin getötet. In einem Schreiben bekannte sich kurz darauf die militante Gruppe „Neue IRA“ zur Tötung. Doch nun hat die Polizei eine 57-jährige Frau in diesem Zusammenhang festgenommen.

23.04.2019

Nach Jahren des Streits hatten Union und SPD im Februar angekündigt, das lange erwartete Werbeverbot für Tabak umzusetzen. Nun kommt heraus: Die will weitreichende Ausnahmen durchsetzen – zur Freude der Zigarettenindustrie.

23.04.2019

Der Kopf einer bewaffneten Miliz hat in den USA offenbar Anschläge auf prominente Politiker wie Barack Obama und Hillary Clinton geplant. Das geht aus einer Strafanzeige hervor. Die Miliz hatte zuvor mit einer Aktion gegen Migranten weltweit für scharfe Kritik gesorgt.

23.04.2019