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Deutschland / Welt Proteste gegen Neonazi-Demos in Berlin
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16:35 18.08.2018
Neonazis aus Berlin halten während ihres Aufmarschs in Berlin-Friedrichshain ein Transparent mit der Aufschrift „Ich bereue nichts“ und dem Zusatz „Nationalsozialisten Berlin“. Quelle: Omer Messinger/Getty Images
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Berlin

Mehrere Tausend Menschen haben in Berlin gegen einen Aufmarsch von Neonazis zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß protestiert – stoppen konnten sie ihn jedoch nicht. 2017 – zum 30. Todestag von Heß – war dies mit Sitzblockaden gelungen. Auch am Sonnabend kam es in Friedrichshain zu solchen Protestaktionen. Polizisten lösten diese jedoch auf, indem sie die Menschen wegtrugen. Mehr als 600 Rechtsextremisten marschierten danach durch den Osten der Stadt in Richtung S-Bahnhof Lichtenberg.

Nazi-Aufmarsch in Spandau abgesagt

Zuvor hatten sie ihren ursprünglich geplanten Aufmarsch in Spandau in der Nähe des früheren Gefängnisses, in dem sich Heß am 17. August 1987 selbst tötete, abgesagt. Lediglich etwa 50 Menschen hatten sich dort an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße getroffen. Den Versammlungsort in Friedrichshain hatten die Neonazis kurzfristig vor dem Wochenende angemeldet.

Mehrere Hundert Gegendemonstranten zogen von Spandau nach Friedrichshain, darunter ein paar Dutzend schwarz gekleidete Linksautonome. Polizisten beobachteten nach Angaben eines Sprechers auch einige Vermummte. Die Stimmung an der Strecke des Neonazi-Aufzugs war aggressiv. Beide Lager riefen sich gegenseitige Beschimpfungen zu. An den Kreuzungen der breiten Landsberger Allee kam es immer wieder zu Rangeleien mit der Polizei.

Polizei kontrollierte jeden einzelnen Nazi-Demonstranten

Ein Großaufgebot von Beamten war im Einsatz. Die Polizei hatte ihren Einsatzschwerpunkt am Mittag von Spandau nach Friedrichshain verlegt. Mehrer Hundert Polizisten waren vor Ort. Die überwiegend mit weißen Hemden oder T-Shirts gekleideten Neonazis mussten einzeln durch ein Zelt gehen. Dort kontrollierten Polizisten, ob sie sich an die Auflagen hielten. Die Polizei hatte eine ganze Reihe von Bestimmungen für die Demonstration festgelegt. „Jede Verherrlichung von Rudolf Heß in Wort, Schrift oder Bild wird untersagt“, hieß es in dem Auflagenbescheid.

Insgesamt waren nach Behördenangaben rund 2300 Polizisten im Einsatz, um Neonazis und Gegendemonstranten voneinander fernzuhalten und Gewaltausbrüche zu verhindern. Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Initiativen hatten zu Kundgebungen und Demonstrationen gegen die jährliche Neonazi-Veranstaltung aufgerufen.

3000 Gegendemonstranten beim „Fest der Demokratie“ in Spandau

Deren Schwerpunkt lag in Spandau. So beteiligten sich bis zu 3000 Menschen am „Fest der Demokratie“ an der Kreuzung Wilhelmstraße, wo früher das Kriegsverbrechergefängnis stand. Weitere Demonstrationen und Kundgebungen gab es am Rathaus und am Bahnhof in Spandau. „Kein Platz für Nazis“ stand auf Luftballons. Ältere Damen hielten Transparente hoch mit der Aufschrift „Omas gegen Rechts“ oder „Spandau bleibt nazifrei“.

Vor einem Jahr waren zum 30. Todestag von Heß Hunderte Neonazis durch Spandau gezogen. Sie kamen jedoch nicht weit, weil sie durch Blockaden der zahlreichen Gegendemonstranten gestoppt wurden.

Von RND/dpa