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Deutschland / Welt Warum dieser Bürgermeister bei einem Brexit zurücktritt
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14:51 03.02.2019
Seit 2008 Bürgermeister der Gemeinde Brunsmark: der noch-EU-Bürger und Schotte Iain Macnab. Quelle: Joachim Strunk
Brunsmark

Vor der jüngsten Kommunalwahl, im Mai 2018, ließ sich Iain Macnab nur als Bürgermeisterkandidat aufstellen unter dem Vorbehalt, dass er bei einem „Brexit“ sein Amt niederlegen werde. Denn Nicht-EU-Bürger haben in Deutschland kein aktives und passives Wahlrecht. Macnab trat dennoch an, weil er insgeheim hofft und glaubt, dass der Austritt in letzter Minute noch abgewendet werden kann.

Dabei sieht er die EU als Staatenbund durchaus kritisch: „Als Organisation schießt sie zunehmend über das Ziel hinaus. So ziehen 10.000 EU-Beamte und -Politiker in einem Monat von Brüssel nach Straßburg und zurück. Und alle Vorgänge müssen in 24 Sprachen übersetzt werden. Das kostet alles. Es ist eine Ressourcenvernichtung. Und wir müssen es bezahlen.“

Weiterhin glaubt er, dass „zu viele Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fallen, massiv beeinflusst durch Lobbyisten“. Unfair findet Macnab auch, dass Beamte der mittleren EU-Ebene mehr verdienten als die britische Premierministerin. Das seien alles keine „Fake-News“, so Macnab. „Das habe ich auf der speziellen Webseite der Washington Post recherchiert.“

Macnab nennt Referendum Riesenfehler

Den größten Sinn sieht Macnab in der EU nur als ökonomisches Bündnis. „Jahrhundertelang kam es durch den Handel zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Austausch.“ Politisch und kulturell sollte jedes Land individuell handeln und entscheiden können. Das Hauptproblem für die aktuelle Uneinigkeit des Parlaments in London, ob es jetzt einen geregelten oder einen chaotischen Austritt, einen ohne Abkommen oder möglicherweise sogar gar keinen mehr, also einen Verbleib in der EU, geben kann, liegt laut Macnab „in der Spaltung innerhalb aller großen Parteien“. Bei den Konservativen spiele besonders die nordirische, protestantische DUP-Partei (Democratic Unionist Party) das Zünglein an der Waage.

Diese lehnt einen Zusammenschluss mit dem katholischen Irland kategorisch ab. Aber: „Sie akzeptiert auch keine harte Grenze zwischen Irland als EU-Gebiet und Nordirland als Bestandteil Großbritanniens. Nur eine offene Grenze wie bisher“ sei okay. Anderenfalls sieht der Schotte die Gefahr neuer gewalttätiger Auseinandersetzungen.

Lesen Sie auch: Brexit: Was wollen die Briten eigentlich?

Für Macnab war schon das erste Referendum, das zum Brexit führen soll, ein Riesenfehler. „Die Leute waren völlig falsch informiert, was alles auf sie zukommen kann.“ Er selbst „will ein zweites Referendum. Und zwar zu der Frage Ausstieg oder Bleiben“. Hier gäbe es eine klare Mehrheit gegen den Ausstieg. Das hätten zahlreiche Umfragen ergeben. Auch wenn es im Unterhaus, dem britischen Parlament, „zu einer freien Abstimmung, also ohne Fraktionszwang kommt, würden die ,Remainers’ die Mehrheit haben“.

Noch sind etwa 60 Tage Zeit

Am Ende, glaubt der Brunsmarker Bürgermeister, „wird der Brexit abgeblasen. Entweder durch ein zweites Referendum oder durch Artikel 50 des Lissabonner Vertrags“, wo festgehalten ist, dass ein Land vom angekündigten Austritt auch wieder zurücktreten kann.

Noch sind etwa 60 Tage Zeit. Sollte es wider seinem Erwarten aber doch nicht passieren, „dann trete ich sofort zurück“. Der Verlust des lieb gewonnenen Amtes wäre die einzige Konsequenz für ihn, weitere muss er nicht fürchten. „Wir sind jetzt fast 20 Jahre verheiratet. Die Greencard hat er damit schon“, erklärt seine Frau Inge fröhlich.

Lesen sie außerdem: Vor dem Brexit schnell noch Deutscher werden? Gar nicht so einfach.

Von Joachim Strunk/RND

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