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Deutschland / Welt Schule ohne Noten? So funktioniert das in der Praxis
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Schule ohne Noten? So funktioniert das in der Praxis
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19:06 31.01.2019
Einige Schulen kommen künftig ohne Noten aus. Quelle: imago/Schöning
Wiesbaden

Einige hessische Schulen dürfen künftig statt der klassischen Noten-Ziffern schriftliche Bewertungen für ihre Schüler vergeben. Ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden sagte am Donnerstag, dass diese Möglichkeit künftig maximal 30 der rund 1800 Schulen im Land offenstehe. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.

Mit der Initiative kommt Kultusminister Alexander Lorz (CDU) einer Forderung aus dem neuen schwarz-grünen Koalitionsvertrag nach. Dort hatten sich beide Parteien darauf geeinigt, Schulen die Möglichkeit zu geben, „pädagogisch neue Wege bei der Erreichung der Bildungsziele zu gehen“.

Aber wie sieht das in der Praxis aus? Ein Beispiel aus einer Waldorfschule:

Der Unterricht in der Klasse 7a fängt an mit einem Gedicht: „Offen liegt das Meer, ins Blaue“ - es geht ums Seefahren, auswendig tragen die Kinder es gemeinsam vor. Danach sollen sie sich an die letzte Stunde erinnern: Was haben sie gelernt? „Meldet euch einfach“, sagt die Lehrerin. Eine Abfrage gibt es nicht und auch keine Noten. Bis zur 9. Klasse bekommt kein Schüler eine Note an dieser besonderen Schule. Sie heißt Waldorfschule. Solche Schulen gibt es auf der ganzen Welt.

Aber geht das? Strengen sich die Kinder ohne Noten an? „Ich will mein Bestes geben“, sagt Vincent aus der 7a. „Und wir zeigen den anderen, was wir können und machen.“ Vincent spielt Gitarre. Bald wird der 13-Jährige bei einem Konzert vor allen Schülern auftreten.

Körbe flechten, gärtnern und tanzen

„Bei uns lernt man viel durch selber machen“, sagt Vincent. Zum Beispiel: Einen Korb flechten, gärtnern und tanzen. Schüler bauen Betten und sogar Segelboote. „Wir machen Dinge, die man an anderen Schulen nie lernen würde“, findet Vincent. Es gibt auch eine Zirkusgruppe.

Dinge wie Musik oder Malen sind an der Waldorfschule wichtig. So sehen auch die Schulbücher aus: Bunt, mit vielen Zeichnungen. Eigentlich sind das gar keine Schulbücher - die Kinder und Jugendlichen machen sie nämlich selbst. Sie schreiben und malen hinein, was sie im Unterricht lernen. So entsteht ihr ganz eigenes Schulbuch.

Freunde fürs Leben

Die Schüler bleiben von der 1. Klasse bis zum Ende zusammen. Sitzen bleibt an der Waldorfschule niemand. „Meine Freunde aus der 1. Klasse begleiten mich jetzt schon fast mein ganzes Leben“, erzählt Leonie aus der 11. Klasse. Und die ersten acht Jahre unterrichtet meist derselbe Klassenlehrer die Schüler.

Doch nicht jedem gefällt der besondere Unterricht der Waldorfschulen. Ein Vorwurf: Die Kinder haben es zu leicht - sie werden nicht richtig auf das Leben als Erwachsene vorbereitet. „In meinem Basketballverein machen sich die anderen Kinder lustig“, erzählt der 13-jährige Vincent. Sie sagen zum Beispiel, Waldorfschüler seien nicht so schlau.

Fächer wie Mathe, Englisch oder Geschichte haben die Schüler an den Waldorfschulen aber auch. Und am Ende machen die meisten normale Abschlüsse - wie die Schüler zum Beispiel am Gymnasium oder an Realschulen.

Von RND/dpa/lf

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