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Deutschland / Welt Schwere Mängel bei Jobcentern
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09:46 20.07.2009
Von Bernd Knebel
Nida Ertürk und Özlem Ayyildizli informieren sich über das Angebot der Ausbildungsplätze im Arbeitsamt Hannover. Quelle: Foto: Martin Steiner
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Obwohl mit jedem arbeitslosen erwerbsfähigen Jugendlichen ab 15 Jahren binnen eines Monats Kontakt mit der Arbeitsvermittlung aufgenommen und ihm „unverzüglich“ eine Ausbildung vermittelt werden muss, „fand der Erstkontakt nur in 51 Prozent der Fälle innerhalb von einem Monat statt“, und „annähernd 20 Prozent der Jugendlichen erhielten keinen Vermittlungsvorschlag“.

Das hat die „Interne Revision“ der Bundesagentur für Arbeit ermittelt. Die „überregionale Revision“ war vom Agenturvorstand in Absprache mit dem Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegeben worden. In dem Bericht, der der HAZ vorliegt, sollte untersucht werden, ob die Ausbildungsvermittlung durch die gemeinsamen Arbeitsgemeinschaften mit den Kommunen und auch allein durch die Arbeitsagenturen funktioniert. Die Revisoren kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass es zu erheblichen Reibungsverlusten zulasten der Jugendlichen kommt, wenn die Ausbildungsvermittlung allein auf die Arbeitsagenturen übertragen wird.

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Obwohl die persönlichen Ansprechpartner der gemeinsamen Jobcenter für jeden Jugendlichen auch dann verantwortlich bleiben, war ihnen „die ihnen obliegende Verantwortung nicht im erforderlichen Maße bewusst“. Mit anderen Worten: Sie kümmerten sich fortan nicht mehr um die Jugendlichen. „Der Erstkontakt der Arbeitsgemeinschaften mit dem Jugendlichen fand in 51 Prozent der Fälle innerhalb von einem Monat statt“; dies entspricht der Vorgabe. „Mit weiteren 29 Prozent der Jugendlichen wurde innerhalb von drei Monaten Kontakt aufgenommen.

Bei 20 Prozent betrug die Zeitspanne bis zu einem Erstkontakt mehr als drei Monate,“ kritisieren die Prüfer. Die späte Kontaktaufnahme könne dazu führen, dass „sich die Integration in Ausbildung im Extremfall in das nächste Ausbildungsjahr“ verlagere, der Jugendliche mithin ein ganzes Jahr verliert. Nicht minder krass ist auch das Versäumnis der „persönlichen Ansprechpartner“ der Jugendlichen, ihnen umgehend einen Vermittlungsvorschlag vorzulegen. „Annähernd 20 Prozent der Jugendlichen erhielten keinen Vermittlungsvorschlag“, berichten die Revisoren.

„Von den 360 in die Prüfung einbezogenen Jugendlichen hatten 69 (19 Prozent) keinen Vermittlungsvorschlag erhalten.“ Zum Zeitpunkt der Prüfung „wurden diese Jugendlichen zwischen 1,5 und 33 Monate als Bewerber geführt“. Manche warteten demnach fast drei Jahre auf einen Vermittlungsvorschlag. Die Agenturprüfer sprechen von einem „signifikanten“ Ergebnis: „Vor dem hohen Stellenwert der Thematik in der öffentlichen Wahrnehmung birgt dieser Anteil ein hohes Risikopotenzial.“