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Deutschland / Welt Sorge vor Terror in Deutschland wächst
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21:30 24.09.2009
Von Stefan Koch
Schäuble hatte eine schärfere Bewachung an Flughäfen und Bahnhöfen angeordnet.
Schäuble hatte eine schärfere Bewachung an Flughäfen und Bahnhöfen angeordnet. Quelle: Surrey
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Gegen Abend gab auch das britische Außenministerium in London einen Warnhinweis. Als mögliche Ziele von Terrorattacken werden darin öffentliche Plätze erwähnt, die von ausländischen Reisenden besucht werden. Beide Warnungen haben noch nicht den Charakter einer Reisewarnung, mit dem vom Besuch des Landes abgeraten wird.

Am 18. September hatte das Terrornetzwerk Al Qaida in einer Videobotschaft den sofortigen Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan gefordert. Anderenfalls drohe nach der Bundestagswahl am 27. September ein „böses Erwachen“.

Den US-Bürgern in Deutschland wird jetzt von ihrer Regierung geraten, die Nachrichten zu verfolgen und die Sicherheit bei Besuchen öffentlicher Plätze oder bei Hotel- und Restaurantbesuchen im Auge zu behalten. Die Warnung gilt bis zum 11. November.

Die Bundesregierung hält die Hinweise aus den USA und Großbritannien für unnötig. „Ich habe keinen Anlass für solche Reisewarnungen feststellen können“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: „Wir setzen uns nicht in den Zustand der Erregung, den die Terroristen erzielen wollen.“ Dieter Wiefelspütz, SPD-Innenexperte, sagte: „Ein Amerikaner in Berlin lebt sicherer als ein Deutscher in Manhattan.“

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, es gebe eine „abstrakte Gefährdung“, das belegten die Drohbotschaften der Terroristen. Es gebe aber keinen Grund zur Panik. Zuletzt hatte Schäuble an Flughäfen und Bahnhöfen eine schärfere Bewachung angeordnet. Beamte der Bundespolizei traten vielerorts mit Maschinenpistolen in Erscheinung, was nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch als Machtdemonstration gedacht ist.

Inoffiziell kursieren unter Fachleuten zwei denkbare Terrorszenarien:

- Bislang als „Gefährder“ nicht erkannte in Deutschland lebende Islamisten könnten, nach dem Vorbild der Sauerlandgruppe, Bomben bauen.

- Terroristen könnten mit einer Boden-Luft-Rakete ein ziviles Flugzeug attackieren, das sich gerade in der Start- oder Landephase befindet.

„Der Apparat läuft auf Hochtouren“, sagte gestern ein leitender Sicherheitsexperte in Berlin. Auch die geheimen Dienste des Bundes leisteten Überstunden. Die Behörden setzten auf umfangreiche Abhöraktionen. Neu sei, dass man dabei die Bereiche Terror und Drogen nicht mehr trenne. Denn oft finde man, besonders mit Blick auf Afghanistan, eine Verbindung: „Das ist alles eins.“