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Deutschland / Welt Spart sich Amerika den Supermacht-Status?
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08:28 16.11.2011
Von Klaus von der Brelie
Noch dominiert die USA noch mit seinem Militär, wie hier mit seinem Flugzeugträger USS Ronald Reagan. Doch schwächen Präsident Obamas Sparpläne den Supermachtstatus? Quelle: dpa (Symbolbild)
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Washington

Genau dies sieht Verteidigungsminister Leon Panetta kommen – und warnt derzeit vor einem nie da gewesenem militärischen Abbau. Wenn der US-Verteidigungshaushalt in den kommenden zehn Jahren insgesamt um 1000 Milliarden Dollar (732 Milliarden Euro) gekürzt werde, werde dies „verheerende Folgen“ haben, schrieb er in einem Brandbrief an die beiden republikanischen Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Heer, Luftwaffe und Marine müssten, wenn diese Sparpläne wahr würden, deutlich verkleinert werden. Das Militär werde zu einem „Papiertiger“ reduziert, warnt Panetta. Die USA hätten bei Umsetzung des Sparplans „so wenige Bodentruppen wie seit dem Jahr 1940 nicht mehr“. Die Zahl der Kriegsschiffe würde auf den „geringsten Stand seit dem Jahr 1915“ sinken. Die künftige US-Luftwaffe wäre sogar „die kleinste in der Geschichte der Vereinigten Staaten“.

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Übertreibt Panetta? Fest steht jedenfalls, dass hier ein US-Verteidigungsminister für seinen Etat mit so viel Verve die Trommel rührt wie kaum einer vor ihm. „Diese Sparpläne kommen einer Einladung zum Angriff auf die USA gleich“, heißt es in Panettas Schreiben an die Senatoren, das schnell den Weg in die Öffentlichkeit fand.

Wegen der akuten Finanznot hatten Republikaner und Demokraten im Sommer eine Kommission eingesetzt, die bis zum 23. November Einsparmöglichkeiten in den kommenden zehn Jahren in Höhe von 1500 Milliarden Dollar finden soll. Gelingt ihr das nicht, werden automatisch 1200 Milliarden Dollar gekürzt, die Hälfte davon beim Militär.

Der US-Verteidigungsetat war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan massiv aufgestockt worden. Jetzt macht er rund 40 Prozent der weltweiten Militärausgaben aus. Der aktuelle Jahresetat von 685 Milliarden Dollar entspricht einem Fünftel der US-Staatsausgaben.

Die Sparbemühungen in Washington könnten bald auch Auswirkungen auf andere Nato-Staaten haben. Panetta, enger Vertrauter von Präsident Barack Obama, nutzt jede Gelegenheit, die Verbündeten in die Pflicht zu nehmen. „Sie müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“, schrieb er den Europäern ins Stammbuch. Die derzeitige Lastenverteilung sei ungerecht und inakzeptabel.

Offizielle Reaktionen auf Panettas Warnungen gibt es bisher weder in den USA noch in Europa. Der 73-Jährige kann sich dennoch sicher sein, dass er ernst genommen wird. Als Exstabschef im Weißen Haus und CIA-Direktor hat er gelernt, sich Gehör zu verschaffen.