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Deutschland / Welt Taliban bekennen sich zu Selbstmordanschlag in Kabul
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18:22 10.03.2013
Foto: Nach einem Selbstmordanschlag vor dem Verteidigungsministerium in Kabul haben sich die Taliban zu dem Terrorakt bekannt.
Nach einem Selbstmordanschlag vor dem Verteidigungsministerium in Kabul haben sich die Taliban zu dem Terrorakt bekannt. Quelle: dpa
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Kabul

Während des ersten Besuchs des neuen Pentagonchefs Chuck Hagel in Afghanistan hat sich ein Taliban vor dem Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Kabul in die Luft gesprengt. Nach Angaben der Kriminalpolizei riss der Selbstmordattentäter neun Menschen mit in den Tod. Mindestens 13 weitere Menschen wurden verletzt, als der Mann am Samstagmorgen am Eingang des afghanischen Verteidigungsministerium eine Bombe zündete.

US-Verteidigungsminister Hagel, der am Freitagabend in Kabul zu seinem ersten Auslandsbesuch seit dem Amtsantritt eingetroffen war, hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags an einem anderen Ort in der Stadt auf, wie ein Sprecher des US-Militärs mitteilte. Er hörte die Explosion während einer Beratung, wie er später Reportern erzählte. „Wir sind in einem Kriegsgebiet.“ Deswegen sollte man nicht überrascht sein, wenn eine Bombe hochgehe, sagte der Vietnam-Veteran. Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei um Mitarbeiter des afghanischen Verteidigungsministeriums, die vor Arbeitsbeginn am Eingang des Hauses in einer Warteschlange standen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Es sei ein vorbereitetes Attentat gewesen. Hagel sei nicht das Ziel gewesen, sagte ein Sprecher. Der Anschlag sei aber eine Botschaft an den US-Verteidigungsminister. Afghanistans Präsident Hamid sorgte am Sonntag mit dem Hinweis für Aufsehen, die USA führten täglich Gespräche mit den Taliban. Die US-Botschaft in Kabul konterte: „Die Taliban setzten die Gespräche mit den USA im März 2012 aus.“ US-Präsident Barack Obama unterstütze Verhandlungen zwischen Karsais Hohem Friedensrat und Vertretern der Taliban.

Eine geplante Pressekonferenz von Karsai und Hagel sagte der Präsidentenpalast am Sonntag kurzfristig aus Sicherheitsgründen ab. Beide Politiker wollten sich am Sonntagabend zu einem Gespräch treffen. Ursprünglich wollte Hagel der afghanischen Regierung beim Besuch die vollständige Kontrolle über das umstrittene US-Gefängnis Bagram übergeben. Diese Zeremonie wurde aber kurzfristig ohne Angabe von Gründen ebenfalls abgesagt. Nach Angaben der Regierung in Kabul halten die Amerikaner dort noch immer etwa 400 Gefangene fest, obwohl die offizielle Übergabe des Gefängnisses bereits im September erfolgte.

Das Gefängnis sorgt seit Jahren für Streit. Karsais Büro erklärte am Sonntag, ausländische Soldaten dürften ab sofort keine Universitäten und Hochschulen mehr betreten. Bei einem zweiten Selbstmordanschlag in der ostafghanischen Provinz Chost wurden am Samstag ein Polizist und acht Kinder getötet. Nach Angaben der Polizei hatte der Attentäter versucht, einen Checkpoint zu betreten. Als der Polizist ihn aufhalten wollte, zündete der Mann seine Sprengstoffweste.

dpa