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Deutschland / Welt Terror im Netz: „Die Gruppen sind vorsichtiger geworden“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Terror im Netz: „Die Gruppen sind vorsichtiger geworden“
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13:00 04.04.2019
Andreas Zick ist Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Uni Bielefeld. Quelle: Foto: Horst Galuschka/dpa
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Berlin

Herr Zick, warum sind Spielechats so beliebt bei rechtsextremen und auch islamistischen Terroristen?

Es gibt zwei Gründe. Bestimmte Shooterspiele führen zu einer höheren Aggressivität im realen Leben. In den Chats solcher Spiele finden sich auch Personen mit ideologisch gefärbten Spielernamen, da geht man aufeinander zu. Das andere ist die Datensicherheit: Die dschihadistischen Attentäter von Paris haben sich über den Playstation-Chat ausgetauscht. Die Spieleprovider legen großen Wert auf Datenschutz. Wären sie leicht zu hacken, würde es das Wettbewerbsumfeld und das Geschäftsmodell des Spiels zerstören. Spielechats sind also sicherer als andere Dienste.

Der Christchurch-Attentäter, der Münchner Attentäter David Sonboly und andere haben sich in den Chats von Computerspielen vernetzt. Ist ein Frühwarnsystem vorstellbar?

Bei Amoktätern an Schulen ist erforscht, dass sie ihre Tat „leaken“. Sie kündigen ihre Pläne in den Chats an, und je konkreter diese Hinweise werden, desto ernster sind sie zu nehmen. Wenn Ort, Zeit, Ziel, Modus genannt werden, kann davon ausgegangen werden, dass so etwas ernst gemeint ist. Bei Rechtsterroristen ist die Radikalisierung in Chats nicht so gut erforscht. Ein Wendepunkt ist aber immer, wenn es in den Chats um Waffen und deren Beschaffung geht. So war es bei der Oldschool Society, so war es bei Revolution Chemnitz.

Der Verfassungsschutz fordert mehr Kompetenzen, um in Chats hineinschauen zu können. Ist das bisher noch nicht möglich?

Ich gehe davon aus, dass der Verfassungsschutz bereits heute Zugang zu Chats und Mailverkehr von beobachteten Gruppen wie etwa der Identitären Bewegung hat. Das wissen diese Gruppen auch und sind vorsichtiger geworden mit dem, was sie in die Chats schreiben. Ich bin skeptisch, ob es neue Gesetze braucht. Ich kenne kein überzeugendes Argument, warum das nötig sein soll. Das ist der Wunsch der Dienste, einfacher an strafrechtlich relevantes Material zu kommen, das vor Gericht Bestand hat. So ein Gesetz würde aber auch Tür und Tor öffnen für das ziellose, automatisierte Abgreifen von Daten. Es müsste sichergestellt werden, dass nicht evidente Daten wieder gelöscht werden.

Der Christchurch-Attentäter hat seine Tat live gestreamt. Facebook-Vorstand Sheryl Sandberg kündigte an, dass die Livefunktion bald nur noch bei Nutzern mit gutem Leumund möglich sein könnte. Wie kann das konkret gehen?

Ich halte das für eine trügerische Hoffnung. Es klingt nach einer Idee aus der Offlinewelt. Muss man jetzt ein Führungszeugnis einreichen, um bei Facebook Videos streamen zu können? Und was wäre damit gewonnen? Ich glaube nicht, dass über „social scoring“ eine Kontrolle möglich sein kann.

Von Jan Sternberg/RND

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