Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Polizei bricht zwei von drei Auftritten bei Rechtsrock-Konzert vorzeitig ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Polizei bricht zwei von drei Auftritten bei Rechtsrock-Konzert vorzeitig ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:40 06.07.2019
Die Veranstaltung in Themar wurde als politische Kundgebung angemeldet - laut Polizei mit rund 400 Teilnehmern am Freitag und etwa 800 bis 1200 Teilnehmern am Samstag. Quelle: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dp
Themar

Wegen mehrerer Rechtsrock-Konzerte wird die südthüringische Kleinstadt Themar an diesem Wochenende erneut zur Festung: Beamte aus mehreren Bundesländern sind in der Region im Einsatz. Bereits an den Zufahrten zu der 2800-Einwohner-Stadt sind Kontrollstellen eingerichtet. Zudem ist die Polizei unter anderem mit zwei Wasserwerfern und einem Räumpanzer vor Ort.

Am Freitag waren zunächst nur wenige Besucher angereist. Die Polizei teilte am späten Abend mit, die Zahl der Teilnehmer werde auf etwa 380 geschätzt. Auch bei früheren Konzerten in der Kleinstadt waren freitags nur wenige Teilnehmer gekommen, die meisten reisten am Samstag an.

Lesen Sie auch:
Rechtsrock in Themar – warum das Konzert die kleine Gemeinde spaltet

Am Freitag wurden die Auftritte von zwei der drei auftretenden Bands vorzeitig abgebrochen, weil sie gegen Auflagen verstoßen hatten, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Band Sturmwehr habe einen indizierten Titel gespielt, die Band Unbeliebte Jungs einen Titel, der nicht auf der vorher eingereichten Liste stand. Für beide Gruppen gilt ein Auftrittsverbot bis Sonntag. Die dritte am Freitagabend auf dem Programm stehende Band hatte einen planmäßig kurzen Auftritt.

Verbotene Symbole auf T-Shirts und Haut im Visier

Zu den geplanten Konzerten waren für Freitag 400 Besucher und für Samstag zwischen 800 und 1200 angemeldet worden. Am Samstag sind mehrere Gegendemonstrationen geplant. In den vergangenen Jahren kamen teilweise Tausende aus der rechten und rechtsextremen Szene nach Themar.

Die Thüringer Polizei will bei verbotenen rechtsextremen Symbolen oder beim Abspielen verbotener Lieder hart durchgreifen. Sollten verbotene Lieder gespielt werden, wolle man das unterbinden, sagte ein Sprecher der Thüringer Landespolizeidirektion am Freitag vor dem Beginn des Konzertes.

Bei solchen Verstößen werde man erst mit dem Versammlungsleiter sprechen und die Musik dann zur Not abstellen. Auch eine Auflösung der Versammlung werde in letzter Konsequenz nicht ausgeschlossen. „Wir achten auch auf verbotene Symbole auf T-Shirts oder der blanken Haut“, sagte der Sprecher.

Polizei nutzt Tankstelle als Einsatzzentrale

Die Polizei ist mit Hunderten Einsatzkräften - unter anderem aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Baden-Württemberg - in dem kleinen Ort im Landkreis Hildburghausen. Sie nutzt in diesem Jahr eine angemietete Tankstelle in der Nähe des Festivalgeländes als Hauptquartier. In der Vergangenheit hatten sich Konzertbesucher dort mit Alkohol versorgt. Durch die Anmietung ist dies nun nicht möglich.

Anders als in den vergangenen Jahren gilt am Samstag ein striktes Alkoholverbot. Am Freitag war Leichtbier mit bis zu 2,7 Prozent Alkohol erlaubt. Die Polizei kündigte an, die Einhaltung der Auflagen zu kontrollieren. Das Oberverwaltungsgericht hatte am Donnerstag die Auflagen zum eingeschränkten Alkoholausschank bestätigt. Die Beschlüsse dazu sind rechtskräftig.

Taskforce des Innenministeriums hilft

In der Landespolitik stieß die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts auf große Zustimmung. „Ich finde das sehr gut“, sagte die Grüne-Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling, die sich seit Langem gegen Rechtsrock-Konzerte einsetzt. Die Entscheidung zeige, dass es sehr wohl möglich sei, harte Auflagen gegen solche Veranstaltungen auch rechtssicher zu verhängen, „wenn man das ordentlich begründet“.

Lesen Sie auch:
Bürgermeister ruft zu Protesten gegen Rechtsrock auf

An dieser Aufgabe sei die Versammlungsbehörde des Landkreises in den vergangenen Jahren gescheitert. Mit Unterstützung einer Taskforce des Innenministeriums für solche Versammlungen sei das nun gelungen. „Diese Taskforce hat sich wirklich bewährt“, sagte Henfling. Sie besteht aus mehreren Mitarbeitern des Innenministeriums, die Kommunen im Versammlungsrecht beraten. Sie wurde im vergangenen Jahr eingerichtet.

Alkoholverbot am ganzen Wochenende

Ähnlich wie Henfling äußerte sich auch die Linke-Landespolitikerin Katharina König-Preuss. Auch sie kämpft seit Jahren gegen Rechtsextremismus. Die Taskforce habe gute Arbeit geleistet, sagte sie. Auch dass die Auflagenbescheide nun viel früher als in den vergangenen Jahren vorgelegen hätten, habe eine intensive juristische Prüfung durch die Gerichte ermöglicht.

Das Alkoholverbot sei wichtig, um gewalttätige Ausschreitung während der Veranstaltung zu verhindern. „Das dient der Sicherheit der Polizisten ebenso wie der Menschen, die in Themar und Kloster Veßra wohnen“, sagte König-Preuss. Nun komme es allerdings darauf an, dass die Polizei solchen Rechtsextremen auch tatsächlich den Zugang zu dem Konzert verweigere, die schon alkoholisiert nach Themar kämen.

Von RND/dpa/lf

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es war ein Feuer, das die Welt bewegte: Nach der teilweisen Zerstörung soll die Kathedrale Notre-Dame schnell wieder aufgebaut werden. Doch die Planungen stocken – und die versprochenen Millionenspenden fließen auch nicht. Wie geht es weiter?

06.07.2019

Mit seiner Panzerparade hat Trump seine Anhänger begeistert. Reicht das schon für eine zweite Amtszeit? Noch tun sich die US-Demokraten schwer, eine Taktik gegen ihn zu finden – auch, weil sie in einer Zwickmühle stecken, kommentiert Karl Doemens.

06.07.2019

Im Atomkonflikt zwischen dem Iran und den USA spricht nun auch ein einflussreicher geistlicher Führer des Irans erste Drohgebärden aus. Während er den US-Präsident vor einem Angriff warnt, plädiert Luxemburgs Außenminister auf die Vernunft.

06.07.2019