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Deutschland / Welt Tönnies stellt sich auf eine Stufe mit AfD-Chef Gauland
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13:01 07.08.2019
Clemens Tönnies steht wegen seiner Bemerkungen über Afrika weiter zurecht in der Kritik. Quelle: image images
Berlin

Clemens Tönnies lässt sein Amt als Schalke-Boss vorerst für drei Monate ruhen. Fußballdeutschland erweist er trotzdem einen Bärendienst. Seine Worte zu Klimaschutz und Afrikanern erinnern an AfD-Parolen. Sie gehören sich nicht für einen Mann, der einem der mitgliederstärksten Fußballklubs Deutschlands vorsteht.

Sie sind allein schon deshalb zu verurteilen, weil sie Wasser auf die Mühlen derjenigen sind, die immer wieder Spieler mit dunkler Hautfarbe in deutschen Stadien verunglimpfen und beleidigen.

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Äußerungen wie die von Tönnies sind Gift für eine Gesellschaft, die mit Blick auf Hunderttausende Zuwanderer und Flüchtlinge dringender denn je auf gegenseitigen Respekt angewiesen ist. Das gilt besonders für ein Bundesland wie Nordrhein-Westfalen, in dem jeder siebte Einwohner keinen deutschen Pass besitzt.

Der Fall erschwert die Integrationsarbeit

Auch wenn niemand ernsthaft unterstellen will, dass Tönnies ähnliche politische Ambitionen verfolgt, stellt er sich mit seinen Aussagen inhaltlich dennoch auf eine Stufe mit AfD-Chef Alexander Gauland. Der hatte 2016 mit Beleidigungen gegen den damaligen Nationalspieler Jerome Boateng ganz bewusst an der rassistischen Lunte gezündelt.

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Der Fall Tönnies wirft einen Schatten auf den deutschen Fußball. Er erschwert wichtige Integrationsarbeit, die täglich im Amateurfußball geleistet wird. Auf deutschen Bolzplätzen spielen längst bunt zusammengewürfelte Mannschaften gegeneinander - friedlich, fair und völlig unabhängig davon, ob die Spieler aus Afrika, Europa oder Asien stammen. Gerade das zeichnet Fußball aus.

Knapp ein Jahr ist es nun her, dass der Deutschtürke und ehemalige Schalker Mesut Özil dem Deutschen Fußballbund Rassismus vorwarf und als Zeichen seines Protests aus der Nationalelf zurücktrat. Tönnies scheint aus diesem Vorgang nichts gelernt zu haben.

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Von Jan Jüttner/RND