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Deutschland / Welt Trisomie-21-Post: Die FDP hat es an Sensibilität vermissen lassen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Trisomie-21-Post: Die FDP hat es an Sensibilität vermissen lassen
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13:19 02.04.2019
Der Screenshot zeigt den Twitter-Post der FDP-Bundestagsfraktion zu ihrer Forderung eines Trisomie-Tests, der von der Kasse übernommen wird. Quelle: Screenshot FDP-Fraktion/Twitter/fdpbt
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Berlin

Es gibt Themen, die ethisch schwierige Entscheidungen mit sich bringen. In solchen Fällen gibt es für die eine wie für die andere Seite gewichtige Argumente. Diese Debatten sind spannend, aber sie erfordern ein hohes Maß an Sensibilität.

Ein solches Thema ist die Frage, ob Trisomie-21-Tests zur Kassenleistung werden sollen. Mit diesen Tests lässt sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine mögliche Trisomie, umgangssprachlich als Down-Syndrom bekannt, bei einem ungeborenen Kind erkennen. Dafür muss lediglich Blut abgenommen werden. Der Test ist praktisch risikofrei – anders als die Fruchtwasseruntersuchung, die von der Kasse übernommen wird, aber ein Risiko für Fehlgeburten birgt.

Bundestag vor Orientierungsdebatte

Soll der Test also von den Kassen bezahlt werden? Die Befürworter argumentieren, jede Schwangere müsse selbst entscheiden können, welche Untersuchungen sie durchführen lasse. Und: Es mache keinen Sinn, gerade eine risikoarme Methode nicht zu finanzieren. Die Gegner – darunter viele Behindertenvertretungen – befürchten eine Entwicklung, an deren Ende sich kaum noch Eltern für behinderte Kinder entscheiden. Am Ende geht es um eine schwierige Abwägung, zu welcher der Bundestag in der kommenden Woche eine Orientierungsdebatte führen will. Und über die am Ende voraussichtlich außerhalb des üblichen Fraktionszwangs abgestimmt wird.

Die FDP-Bundestagsfraktion hat die Debatte mit einem Twitter-Post eröffnet, der ein Kind mit Down-Syndrom zeigt und mit dem Slogan versehen ist: „Trisomie-21-Test muss Kassenleistung werden!“ Das ist erstens unangemessen reißerisch. Und es lässt sich zweitens leicht so missverstehen, als wollte die FDP Eltern sagen: „Entscheidet euch gegen Kinder mit Trisomie 21!“ Kritik im Netz fällt oft unverhältnismäßig hart aus, aber in diesem Fall ist sie voll und ganz berechtigt. Der Fehler hätte nicht passieren dürfen, ein einziger Moment des Nachdenkens hätte genügt, ihn zu erkennen. Deshalb ist es richtig, dass die FDP den Post nach Kritik gelöscht und sich schließlich dafür entschuldigt hat.

Es gibt in der Debatte über die Frage, ob die Tests Kassenleistung werden sollen, kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Umso wichtiger ist es, dass die Debatte nicht falsch geführt wird.

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Von Tobias Peter/RND

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