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Deutschland / Welt US-Drohnen töten Vizechef der Taliban
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17:28 30.05.2013
Fünf Millionen US-Dollar hatten die USA auf den Taliban-Anführer (Mitte) ausgesetzt, der als zugänglicher als seine Kollegen galt. Quelle: dpa
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Islamabad

Bei einem US-Drohnenangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan ist der Vizechef der pakistanischen Taliban (TTP) getötet worden. Wali ur Rehman sei unter den sechs Extremisten gewesen, die bei dem Raketenbeschuss am Mittwoch im Stammesgebiet Nord-Waziristan ums Leben gekommen seien, hieß es aus Geheimdienstkreisen. Ehsanullah Ehsan, ein Sprecher der TTP, bestätigte am Donnerstagabend den Tod des Taliban-Führers, zog ein Friedensangebot an die Regierung zurück und drohte mit neuen Angriffen auf Sicherheitskräfte.

Rehman war der Stellvertreter Hakimullah Mehsuds, der die Tehrik-e-Taliban Pakistan kommandiert, und führte die TTP-Operationen in der Extremistenhochburg Süd-Waziristan. Die USA hatten auf ihn ein Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar ausgesetzt. Rehman galt als pragmatischer und zugänglicher als andere Taliban-Anführer. Sein Tod könnte geplante Friedensgespräche zwischen den Taliban und der neu gewählten Regierung gefährden. Die genauen Auswirkungen seines Todes seien schwer einzuschätzen, sagte der pakistanische Sicherheitsexperte Hasan Askari Rizvi. "Aber für die Taliban ist es jetzt schwierig, Friedensgespräche zu beginnen."

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Nachfolgefrage hat Streitpotential

Nach Informationen aus Extremisten-Kreisen hat Rehmans Tod möglicherweise einen Machtkampf in der TTP ausgelöst. Die Nachfolge sei umstritten, hieß es. Ein Ältestenrat in Süd-Waziristan habe demnach einen Kämpfer namens Khan Said - auch Sajjna genannt - zu Rehmans Nachfolger bestimmt. Der Zentralrat der Taliban unter der Führung von Mehsud habe sich stattdessen für Noor Said als neuen Vizechef ausgesprochen.

Die pakistanische Regierung verurteilte den amerikanischen Drohnenangriff erneut als kontraproduktiv und als Verstoß gegen internationales Recht. Pakistan protestiert seit langem gegen den Einsatz von US-Kampfdrohnen im Grenzgebiet zu Afghanistan. Die USA ignorieren das. US-Präsident Barack Obama kündigte vergangene Woche an, den umstrittenen Einsatz bewaffneter Drohnen gegen mutmaßliche Terroristen strenger zu regeln.

Der Einsatz soll aber weiterhin möglich sein. Es war der erste US-Drohnenangriff in Pakistan seit der Parlamentswahl am 11. Mai. Wahlsieger Nawaz Sharif - der von seiner Muslim-Liga PML-N für das Amt des Premierministers nominiert ist - steht den Angriffen mit unbemannten Flugzeugen kritisch gegenüber. Das Parlament kommt an diesem Samstag erstmals zusammen. Sharif will Gespräche mit der TTP führen.

dpa

Klaus Wallbaum 30.05.2013
30.05.2013