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Deutschland / Welt US-Rückzug aus Syrien: So hat Trump Washington überrumpelt
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15:15 08.10.2019
Für US-Präsident Donald Trump hagelt es Kritik. Quelle: imago images/UPI Photo/ZUMA press
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Washington

Ein geordneter Rückzug sieht anders aus. Die meisten Washingtoner Beamten steckten noch im Stau oder waren gerade in ihren Büros angekommen, als Donald Trump am Montagmorgen per Twitter das Ende des amerikanischen Engagements in Syrien verkündete. „Es ist Zeit für uns, aus diesen lächerlichen Endloskriegen herauszukommen“, verkündete der US-Präsident: „Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und Kurden müssen nun mit der Situation klarkommen.“

Viele Stunden mit weiteren Trump-Tweets, massiver Kritik von republikanischen Senatoren und widersprüchlichen Erklärungen aus der Regierungszentrale später rätselten Beobachter am Montagabend immer noch, was den US-Präsidenten zu dieser abrupten Entscheidung bewogen hat und was sie konkret bedeutet.

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Amerikanischen Medienberichten zufolge waren weder das Verteidigungsministerium noch engste Trump-Vertraute in den plötzlichen Kurswechsel eingebunden. Entsprechend fielen die Reaktionen aus. „Was ist das für eine Botschaft an unsere nächsten Verbündeten?“, empörte sich Brian Kilmeade, der sonst stets linientreue Moderator von Trumps Lieblingssendung „Fox and Friends“, mit Blick auf die Kurden: „Wir haben sie bewaffnet, und sie haben ihre Arbeit gemacht. Und nun sagen wir: Viel Glück? Ein Desaster!“

US-Regierung beschwichtigt: Kein Abzug

Zwar schränkten Regierungsvertreter im Laufe des Tages bei einem Hintergrundgespräch ein: Es gehe keineswegs um einen Abzug aller 1000 US-Soldaten aus Syrien. Vielmehr sollten 50 bis 100 US-Soldaten, die derzeit im Nordosten des Landes in der Nähe der türkischen Grenze stationiert sind, innerhalb Syriens verlegt werden, um bei einer türkischen Offensive nicht ins Feuer zu geraten.

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Vertreter des State Departments bemühten sich nach Medienberichten zu dieser Zeit noch, Ankara von einer Invasion abzuhalten. Doch der allgemeine Eindruck in Washington war, dass Trump dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan bei einem Telefonat am Sonntagabend „grünes Licht“ für die Einrichtung einer türkischen „Schutzzone“ im kurdischen Nordosten Syriens gegeben hat. Eine dürre Presseerklärung nach dem Ferngespräch betonte lediglich, dass sich die US-Armee nicht an der Operation beteilige.

Trump bringt Republikaner gegen sich auf

Trumps Parteifreunde laufen Sturm

Dass die USA ihre kurdischen Verbündeten im Kampf gegen die Terrororganisation IS buchstäblich über Nacht dem türkischen Erzfeind auslieferte, sorgte selbst unter Trumps republikanischen Verbündeten für offene Empörung. „Das ist ein Adrenalinstoß für die bad guys“, kritisierte Senator Lindsey Graham, der dem Präsidenten sonst stets nach dem Mund redet.

„Ein katastrophaler Fehler“, urteilte Liz Cheney, die ranghohe Senatorin von Wyoming. Ihr Kollege Ted Cruz nannte es „schmachvoll“, wenn die USA einem Abschlachten der Kurden tatenlos zusähen. Und Mehrheitsführer Mitch McConnell mahnte an: „Den amerikanischen Interessen wird am besten durch Führung gedient, nicht durch Nachgeben oder Abzug.“

Trump wehrt sich mit einem Tweet

Offenbar unter dem Eindruck der ungewöhnlich massiven Kritik griff Trump später am Tag erneut zum Handy und feuerte einen bombastischen Tweet ab: „Falls die Türkei irgendetwas macht, das ich in meiner großen und unvergleichlichen Weisheit als tabu betrachte, werde ich die Wirtschaft der Türkei total vernichten und auslöschen.“

Die Selbstbeschreibung des Mannes, der sich ein „stabiles Genie“ nennt, war offenkundig nicht ironisch gemeint. Sie illustriert die beunruhigend zunehmende narzisstische Übersteigerung des Präsidenten. Die Drohung erinnert in ihrer pompösen Hohlheit an jenen „Feuer und Zorn“, den Trump zu Beginn seiner Amtszeit auf Nordkorea herabregnen lassen wollte.

Derweil wird in Washington heftig spekuliert, was Trump zu dem verantwortungslosen Pakt mit Erdogan bewogen hat, der nicht nur die Kurden im Nordosten Syriens in Lebensgefahr bringt, sondern auch den von ihnen bewachten IS-Kämpfer möglicherweise in dem allgemeinen Chaos eine Flucht ermöglichen könnte.

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Der konservative Publizist David Frum äußerte die Vermutung, dass Trumps private Geschäftsinteressen in der Türkei den Ausschlag gegeben haben. Allerdings gerät der US-Präsident innenpolitisch in der Ukraine-Affäre zunehmend unter Druck. Insofern könnte er nach Meinung anderer Beobachter auch ein Ablenkungsmanöver gestartet haben, das seinen Anhängern gefällt.

Ablenkungsmanöver in der Ukraine-Affäre

Syrien sollte eigentlich ein Kurzzeiteinsatz sein“, sagte Trump am Nachmittag bei einer improvisierten Pressekonferenz: „Ich habe im Wahlkampf versprochen, dass ich unsere Truppen heimbringe.“ Gleichzeitig keilte er heftig gegen Deutschland und Frankreich, die sich weigern, die im Nordosten Syriens inhaftierten IS-Kämpfer aus ihren Ländern zurückzunehmen. „Die sind daran gewöhnt, dass die USA der Trottel sind“, wetterte Trump.

Doch damit sei es vorbei. „Die USA sind 7000 Meilen weit weg“, sagte der US-Präsident. Die Probleme sollten nun die Nachbarländer lösen, forderte er, bevor er zu einer Tirade gegen die Demokraten und deren Impeachment-Verfahren ansetzte. „Es ist ein Glück, dass ich Präsident bin“, erklärte Trump: „Die wenigsten Menschen könnten mit einer solchen Situation umgehen.“

Von Karl Doemens/RND

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