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Deutschland / Welt Union will Gorleben als Endlager
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Union will Gorleben als Endlager
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17:00 01.10.2009
Quelle: Heusel/Archiv
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Wenige Tage nach dem Sieg von Schwarz-Gelb bei der Bundestagswahl sind die Gräben in der Atompolitik offen aufgebrochen. Die Union setzt bei den Koalitionsverhandlungen mit der FDP auf Gorleben als mögliches Atommüll-Endlager. Atomkraftgegner reagierten am Donnerstag empört auf Äußerungen, der Salzstock im niedersächsischen Wendland sei als Endlager-Standort für hoch radioaktiven Müll geeignet. Zudem wollen sie zum Auftakt der Koalitionsverhandlungen am Montag in Berlin gegen die Atompolitik von Union und FDP protestieren.

Die Union dringt in den Koalitionsverhandlungen darauf, dass der Salzstock Gorleben in Niedersachsen als möglicher Endlager-Standort weiter getestet wird. Dagegen hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) die Erkundung weiterer Standorte in Deutschland gefordert.

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Nach Ansicht der Helmholtz Gemeinschaft ist der Salzstock in Gorleben für die Endlagerung geeignet. „Die bisherigen Erkundungsergebnisse haben ergeben, dass weder sicherheitstechnisch noch konzeptionell etwas gegen Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Müll spricht“, sagte der Leiter für nukleare Sicherheitsforschung in der Helmholtz Gemeinschaft, Joachim Knebel, am Donnerstag im rbb-Inforadio. Das hätten Experten festgestellt. Knebel begrüßte zudem, dass die künftige schwarz-gelbe Regierungskoalition den Atomausstieg verschieben will. Zur Helmholtz Gemeinschaft gehören mehrere Forschungszentren.

Das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel stand bis Ende 2008 in der Verantwortung des Helmholtz Zentrums München. Wegen der Pannen im Umgang mit radioaktiven Stoffen ist nun aber das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Asse zuständig. Laut BfS gibt es bislang noch keine Klarheit, ob Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Müll aus Atomkraftwerken geeignet ist.

Die Anti-Atom-Initiative in der Region Gorleben reagierte wütend auf die Aussage des Forschers der Helmholtz Gemeinschaft. Dass diejenigen, die das Asse-Desaster zu verantworten haben, jetzt Fürsprecher für den Weiterbau Gorlebens seien, deute darauf hin, dass sich die Katastrophe in der Atommüllpolitik fortsetze, teilte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg mit. Sie hält den Salzstock Gorleben für untauglich zur Endlagerung und geht davon aus, dass die Politik in den 70er Jahren Bedenken von Geologen unter den Teppich gekehrt hat.

In Berlin wollen Atomkraftgegner ihren Widerstand gegen längere Laufzeiten von Atomkraftwerken sportlich angehen. Mit einem Protestlauf wollen sie am Montagnachmittag während der ersten Runde der Koalitionsverhandlungen von Union und FDP in Berlin ihrem Unmut Luft machen. „Wir laufen uns warm für die kommenden Proteste und geben CDU/CSU und FDP einen kleinen Vorgeschmack, was ihnen blüht, wenn sie am Atomausstieg rütteln“, sagte der Initiator des Kampagnen- Netzwerkes „Campact“, Christoph Bautz, am Donnerstag. Die Atomkraftgegner befürchten, dass die schwarz-gelbe Regierung den Atomausstieg, den SPD und Grüne für 2020 beschlossen hatten, rückgängig macht.

Der Untersuchungsausschuss des Landtags in Hannover zum maroden Atommülllager Asse bringt aus Sicht der Opposition Fehler beim Umgang mit den radioaktiven Stoffen zum Vorschein. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel sprach am Donnerstag in Hannover von einem „Tohuwabohu bei der Aufsicht über Kernbrennstoffe in Niedersachsen“. Der Ausschuss befragte den Geschäftsführer der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, Dieter Rittscher. Dabei ging es um die Frage, wie es zu unterschiedlichen Mengenangaben bei Plutonium in der Asse kommen konnte. Für die SPD ist klar, dass die Asse von Anfang an weder als Forschungsstandort noch als Endlager geeignet war.

lni