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Deutschland / Welt Ursula von der Leyen ist die neue Hoffnung für Europa
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08:32 29.05.2013
Von Matthias Koch
„Hoffnung für Europa“: Ministerinnen Fatima Banez, Ursula von der Leyen. Quelle: dpa
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Berlin

Jüngst war sie in Madrid, am Dienstag war sie in Paris. Im Juli wird sie sogar bei einem G-20-Treffen in Moskau dabei sein. Ursula von der Leyen ist zur Vielfliegerin geworden – kein Bundesarbeitsminister drängte je in so auffälliger Weise aufs internationale Parkett.

Die Sache, sagen Insider aus der Bundesregierung, hat Methode. Die Kanzlerin wünsche, dass im internationalem Kontext das Soziale stärker betont werde. Dabei sei von der Leyen als „neues Gesicht“ sehr hilfreich.

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In vielen Staaten, besonders in Frankreich und Südeuropa, wird das altbekannte Gesicht der Kanzlerin oft mit negativen Assoziationen verbunden. Auf Protestbannern tauchte Merkel mal mit Hitlerbärtchen auf, mal auch als blutsaugender Zombie, stets mit heruntergezogenen Mundwinkeln und grimmiger Ausstrahlung. Kritiker illustrieren auf diese Art ihre Empörung über eine aus ihrer Sicht gefühllose Herrscherin in Berlin, die den Rest des Kontinents ihrem unmenschlichen Spardiktat unterwerfe. Von der Leyen dagegen genießt Sympathie – und vor allem neue Aufmerksamkeit. Als sie vorige Woche in Madrid mit ihrer Amtskollegin Fatima Banez diskutierte, eilte auch Spaniens  Thronfolger Felipe in den Saal.

Quer durch Europa wird die Arbeitsministerin mittlerweile als Symbolfigur einer neuen, nicht mehr ganz so kühlen  deutschen Linie wahrgenommen. Mit ihrem Amtskollegen aus Frankreich, Sozialminister Michel Sipan, veröffentlichte von der Leyen am Dienstag eine gemeinsame Erklärung, die in Paris die Herzen wärmt: „Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine Bedrohung für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik“, heißt es da. „Europa kann sich keine für die Arbeitswelt verlorene Generation leisten.“ Gestützt auf Pläne Wolfgang Schäubles wirbt von der Leyen für ein Qualifizierungsprogramm, das sechs Millionen Jugendlichen helfen könnte. Unter Führung der Europäischen Investitionsbank soll ein Milliardenprogramm die Ausbildung und Anstellung junger Leute fördern. Details werden Anfang Juli bei einem Treffen aller Arbeits- und Sozialminister der EU-Staaten erörtert. Treffpunkt: Berlin. Gastgeberin: von der Leyen.

Im Beisein der deutschen Arbeitsministerin geriet Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag bereits ins Schwärmen: „Bei dieser deutsch-französischen Initiative geht es um nichts Geringeres als eine neue Hoffnung für Europa.“ Auch von der Leyen leistet sich, anders als ihre Chefin in Berlin, in Sachen Europa gelegentlich ein bisschen Pathos. So wandelt sie neuerdings das afrikanische Sprichwort ab, wonach es ein ganzes Dorf brauche, um ein Kind zu erziehen. Lächelnd sagt von der Leyen: „Jetzt braucht es ganz Europa, um der Jugend eine Chance zu geben.“