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Deutschland / Welt Von der Leyen: Gorch Fock wird bei weiterer Kostensteigerung „Museumsschiff“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Von der Leyen: Gorch Fock wird bei weiterer Kostensteigerung „Museumsschiff“
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22:48 29.04.2019
Ursula von der Leyen (CDU), Verteidigungsministerin, beim „Berliner Salon“ des RND. Quelle: Xander Heinl/Photothek
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Berlin

Der Chefposten im Bundesverteidigungsministerium gilt als Schleudersitz. Ursula von der Leyen hat es darauf lange ausgehalten. Seit fünfeinhalb Jahren ist sie die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt. Ein Jahr noch – dann wäre sie Rekordverteidigungsministerin und länger im Amt als Franz Josef Strauß, als Manfred Wörner oder Volker Rühe. Bei ihrem Amtsbeginn seien Wetten abgeschlossen worden, „wie viele Tage ich durchhalte“, sagt die CDU-Politikerin beim Berliner Salon des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) im „China Club“ im Herzen der Hauptstadt – und ist doch ein bisschen stolz.

Aber da sind ja auch vielen Affären und Skandale, mit denen Bundeswehr und Verteidigungsministerium in den Schlagzeilen stehen. Beispiel „Gorch Fock“, das Segelschulschiff der Bundesmarine, dessen Reparaturkosten sich vervielfacht haben. „Die ,Gorch Fock’ ist ein stolzes Schiff mit einer großen Tradition – aber nicht zu jedem Preis“, sagt von der Leyen im Gespräch mit Gordon Repinski, stellvertretender RND-Chefredakteur. Sprich: Sind die Restaurierungskosten weiter nicht in den Griff zu bekommen, werde die Gorch Fock zum „Museumsschiff“. Im Sommer werde es eine Entscheidung geben.

„Ungefähr mein Baujahr“, von der Leyen spricht im Video über die Gorch Fock:

„Wir tun alles, damit dieses Schiff wieder flott wird“. Allerdings gehe das nicht um jeden Preis, man habe dem Steuerzahler schon viel zugemutet.

Von der Leyen will das Wachstum der Bundeswehr festigen

Auf der Bühne spricht von der Leyen über ihre Zeit als Bundesverteidigungsministerin. Ihr größtes politisches Ziel? Sie wolle das Wachstum der Bundeswehr weiter festigen, sie in der europäischen Verteidigungsunion weiter voranbringen und sie in der Gesellschaft verankern.

Ausdrücklich bekennt sich von der Leyen zum Ziel der Bundesregierung, bis 2024 die Verteidigungsausgaben auf 1,5 Prozent der deutschen Wirtschaftskraft zu steigern. „Klar sind wir nicht bei zwei Prozent. Aber wir müssen in diese Richtung gehen“, sagte die CDU-Politikerin weiter. Inzwischen habe man aber eine Trendwende erreicht, allerdings sei der Nachholbedarf weiter erheblich: „Was in 25 Jahren reduziert und nicht investiert worden ist, schütteln Sie nicht in fünf Jahren aus dem Ärmel.“

Verteidigungsministerin glaubt, dass Angela Merkel durchhält

Von der Leyen (CDU) sprach sich im Gespräch mit dem RND klar für die Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD aus. Es sei ein demokratischer Wert an sich, an einem einmal eingegangenen Bündnis festzuhalten, sagte sie. Man dürfe bei Schwierigkeiten nicht gleich „den Bettel hinschmeißen“ und nach Neuwahlen rufen.

„Das bedeutet, dass man sich nicht mehr durchbeißt.“ Die Ministerin zeigte sich auch überzeugt, dass Angela Merkel bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2021 Kanzlerin bleibt. Sie glaube daran, weil sie Merkel in der täglichen Arbeit erlebe. „Da ist tiefe Ernsthaftigkeit in der Treue zur Sache.“

Eine neue Facette zeigte sich in der Debatte um die Beraterverträge des Verteidigungsministeriums. Von der Leyen zeigt sich irritiert über Bekanntschaften zwischen Ministeriumsmitarbeitern und Beratern. Es habe „Kennverhältnisse gegeben“, bei denen geklärt werden müsse, ob diese zu eng gewesen seien. Unter anderem in der Kritik steht von der Leyens ehemalige Staatssekretärin Katrin Suder.

Die Ministerin betont allerdings, auch künftig werde das Ministerium Beratung brauchen. Es lohne sich für das Haus nicht, Experten für manche sehr spezielle Leistungen, die man nur selten brauche, im Ministerium zu haben. Dies gelte zum Beispiel für bestimmte juristische Spezialgebiete.

Es geht auch um Privates

Gut anderthalb Stunden steht die Ministerin Rede und Antwort. Es geht um Privates und Politisches, um Frauen in Führungspositionen, die Beschleunigung des politischen Betriebs und die Unterschiede zur Zeit ihres Vaters Ernst Albrecht, der lange Ministerpräsident in Niedersachsen war.

Auf die Frage nach der Position von Frauen in der Politik, befindet die 61-Jährige, es gebe ein Fremdeln mit Frauen in Führungs- und Machtpositionen. Sie würden oft als kalt und ehrgeizig beschrieben, Männer in gleicher Position dagegen als durchsetzungsfähig, dominant und standfest. „Wenn man das einmal verstanden hat, lebt es sich leichter“, sagte die Ministerin.

Enttäuschungen? „Ich bin ein totaler Verdränger“

Und dann verrät von der Leyen noch Rezept für den Umgang mit Enttäuschungen: „Ich bin ein totaler Verdränger, sonst würde ich hier nicht mehr sitzen“, sagte sie. „Enttäuschungen muss man hinter sich lassen.“

Zum Abschluss hält RND-Vize-Chefredakteur Repinski eine Volkslied-Platte hoch, die von der Leyen als Jugendliche mit ihren Eltern und Geschwistern aufgenommen hatte. „Wir haben immer leidenschaftlich gesungen. Wir machen es heute noch immer“, sagt sie. Fast hätte von der Leyen sogar noch ein Ständchen gesungen. Dies sei aber wegen der Aufzeichnung der Veranstaltung nicht möglich, ergänzt sie lachend. „Sonst landet es sofort bei Youtube.“

Zur Premiere des „RND Salon“ im April hatte Grünen-Chef Robert Habeck unter anderem über eine mögliche Jamaika-Koalition, seine Twitter-Abstinenz und seine Sympathien für die Schülerdemonstrationen „Fridays For Future“ gesprochen. Die Reihe wird schon bald fortgesetzt: In der nächsten Ausgabe wird am 17. Juni SPD-Chefin Andrea Nahles zu Gast sein.

Lesen Sie auch: Auftrag an von der Leyen: Aufräumen!

Von Rasmus Buchsteiner und Daniela Vates/RND

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