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Deutschland / Welt Villepin geht gegen Präsident Sarkozy in die Offensive
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Villepin geht gegen Präsident Sarkozy in die Offensive
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23:01 21.09.2009
Dominique de Villepin am Montag vor Journalisten.
Dominique de Villepin am Montag vor Journalisten. Quelle: afp
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Es ist das klassische Duell. Im 1. Pariser Arrondissement treten zwei Rivalen gegeneinander an, die nur eines zu einen scheint: ihr Machthunger.

Wobei es um die Waffengleichheit schlecht bestellt ist. Der eine, Frankreichs früherer Premierminister Dominique de Villepin, hat am Montag auf der Anklagebank des Pariser Justizpalasts Platz genommen, wo er wegen Beihilfe zur Urkundenfälschung und Verleumdung Rede und Antwort zu stehen hat. Der andere, das Opfer der Verleumdung, der 2004 als Inhaber eines Schwarzgeldkontos in Verruf gebrachte Nicolas Sarkozy, ist als Nebenkläger in einer wesentlich komfortableren Lage. Sarkozy, der damals geschworen hatte, „den Mistkerl, der die Rufmordkampagne gegen ihn angezettelt hat, an einem Fleischerhaken aufzuhängen“, verfügt heute als Präsident über ein beeindruckendes Waffenarsenal. Mag sein, dass zum Ende des vierwöchigen Verfahrens aus dem Traum vom Fleischerhaken nichts wird. Eine fünfjährige Freiheitsstrafe und das Ende einer Laufbahn, die Villepin mit dem Einzug in den Élysée-Palast zu krönen hoffte, drohen dem Angeklagten.
Der Staatschef ist nicht selbst gekommen. Aber auch so ist Villepin in einer misslichen Lage. Zwei von vier Mitangeklagten haben Geständnisse abgelegt. Der 42-jährige Mathematiker Imad Lahoud hat zugegeben, gefälschte Kontenverzeichnisse der Luxemburger Clearstream-Bank angefertigt und den Namen Sarkozy eingetragen zu haben. Lahoud will auf Drängen des Villepin-Duzfreundes und früheren Vizepräsidenten des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Jean-Louis Gergorin, zur verleumderischen Tat geschritten sein. Der 63-jährige Gergorin wiederum hat eingeräumt, die gefälschten Listen mit den Namen angeblicher Schmiergeldempfänger einem Untersuchungsrichter zugespielt zu haben. Und dann ist den Aufzeichnungen des ehemaligen Geheimdienstgenerals Philippe Rondot zu entnehmen, dass Villepin darauf drang, bei den Ermittlungen vor allem Sarkozy ins Visier zunehmen.

Wehrlos ist Villepin nicht. Der Aristokrat mit der Dichtermähne ist ein begnadeter Redner. Am Montag gibt der frühere Premier eine Kostprobe seines Könnens. Er präsentiert sich als Opfer „der Versessenheit eines Mannes, Nicolas Sarkozy“. So gern er glauben möchte, dass es in Frankreich keine politischen Prozesse gebe, er stehe hier, weil ein Mann es so beschlossen habe, sagt Villepin. Gleichwohl sei er sicher, dass die Wahrheit am Ende triumphieren und er selbst von allen Vorwürfen reingewaschen werde.

von Axel Veiel