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Deutschland / Welt Was Rezo über Jesus, Regierungssprecher und über Talkshows denkt
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11:21 04.06.2019
Der Youtuber Rezo hat mit dem Video „Die Zerstörung der CDU“ einen viralen Hit gelandet. Seine Privatsphäre will er weiter schützen. Quelle: dpa
Berlin

„Die Zerstörung der CDU“ haben inzwischen mehr als 14 Millionen Menschen gesehen. Nun hat sich der End-Zwanziger Rezo erstmals seit der Veröffentlichung des Youtube-Videos ausführlicher zu Wort gemeldet – in einem Gespräch mit „Spiegel Online“.

Rezo, der in Aachen lebt, kommt aus einem religiös geprägten Haushalt. Beide Elternteile waren Pastoren, ebenso mehrere Onkel und Tanten. Er selbst sei aber nicht christlich, was seine Eltern schade fänden: „Doch ich habe stark verinnerlicht, was Jesus für ein Dude war. Ich bin sicher, dass er nicht die CDU wählen würde. Er hat angebliche Autoritäten nicht blind akzeptiert und war konsequent in seinen Werten.“ Ein Idol sei Jesus für ihn trotzdem nicht: „So close bin ich nicht mit dem Dude.“ Seine eigenen Prinzipien seien Ehrlichkeit, Loyalität und Fairness.

Die Schulzeit sei für ihn nicht leicht gewesen, sagt der Informatiker in dem Gespräch. Er sei gemobbt worden und habe einmal sogar daran gedacht, sich umzubringen: „Das war manchmal ein ziemlicher Struggle. Mitschüler haben mich im Klassenzimmer in den Papierkorb gesteckt oder meine Turnschuhe in die Toilette geworfen.“

In der Schule wurde der Informatiker häufiger gemobbt

Einer der Gründe für die damaligen Mobbing-Attacken: „Ich habe manchmal ein Problem mit Stottern.“ Im CDU-Video falle dies nicht auf, dort habe er 80 Prozent des Textes abgelesen und mit einem Freund Szene für Szene gedreht. Wegen dieses Sprachfehlers könne er auch keine Diskussionsrunden, wie sie die CDU gerne mit ihm veranstalten würde, besuchen oder in Talkshows gehen.

„Für mich als mathematisch denkenden Menschen, der sich oft präzise ausdrücken will, ein großer Abfuck, wenn ich ein Wort nicht sagen kann.“ Er habe allerdings eine Vermeidungstechnik entwickelt und verwende fast automatisch andere Worte. Talkshows wie „Anne Will“ seien trotzdem nichts für ihn, obwohl es massenhaft Anfragen gebe. Dort unterbrächen die Gäste einander ständig: „Dafür bin ich nicht der Richtige.“

Statt klassischer politischer Talkshows schaut Rezo seit Jahren vor allem die Übertragung der Bundespressekonferenzen an: Dort habe er oft den

Eindruck, bei einigen Pressesprechern der Bundesministerien „geht die Schere weit auseinander zwischen dem, was sie denken und was sie sagen“. Dann merke man, dass sie nicht nur Sprecher sondern auch Menschen seien. Nur bei Regierungssprecher Steffen Seibert sei dies nicht zu erkennen: „Manchmal habe ich den Eindruck, der ist innerlich tot.“

Rezo fühlt sich unter Druck: „Ich muss Angriffe abwehren“

Gewissensbisse plagen Rezo wegen seines Boykott-Aufrufs gegen die CDU nicht: „Das konnte ich rational begründen, mit Fakten und wissenschaftlichem Kontext, etwa zum Klimawandel.“ Einen Aufruf, eine bestimmte Partei zu wählen werde es von ihm aber nicht geben. Allerdings werde er im Moment bereits um 7 Uhr statt sonst üblich um 9 Uhr wach, „weil mir die Pumpe so sehr geht“.

Seit seinem Video-Erfolg fühle er sich unter besonders unter Druck, keine Fehler zu machen. „Ich muss Angriffe abwehren. Zum Beispiel, dass Zeitungen Hinweise auf meine Identität geben. Das ist nicht so geil. Die ziehen dadurch Leute wie meine Eltern in das Game rein, die damit nichts zu tun haben.“

Geld hat er mit dem CDU-Video nicht verdient, betont Rezo: „Ich habe die Werbung abgeschaltet. Ich wollte keine Unterbrechungen. Mit Werbung hätte ich damit bis jetzt schon eine fünfstellige Summe verdient.“

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