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Deutschland / Welt Das besprechen die Reichen und Mächtigen in Davos
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13:57 23.01.2019
Prinz William von Großbritannien und Naturforscher David Attenborough bei der Vorführung von Attenboroughs neuestem Dokumentarfilm „Unser Planet“ in Davos. Quelle: AP
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Was ist das Weltwirtschaftsforum?

Auch wenn Verschwörungstheoretiker gern etwas anderes behaupten: Das Weltwirtschaftsforum (englisch: Word economic forum, kurz WEF) in Davos ist keine Weltregierung, sondern im Prinzip nichts anderes als eine Tagung – wenn auch eine, mit prominentem Teilnehmerfeld. Der in Deutschland geborenen Ökonomieprofessor Klaus Schwab hatte das Weltwirtschaftsforum Anfang der 1970er Jahre gegründet, damals noch unter dem Namen „European Managment Symposium“. Am ersten Treffen nahmen 450 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft teil.

Damals wie heute ging und geht es vor allem um den Austausch zwischen politischen und wirtschaftlichen Anführern. Ein globaler Marktplatz für Ideen und Debatten will Davos sein.

„Das Treffen wird den Zustand der Welt betrachten und zusammenarbeiten, um den Zustand der Welt zu verbessern“, kündigte WEF-Gründer Klaus Schwab am Dienstag bei der Eröffnung des 49. Treffens an.

Lesen Sie hier: Alle Entwicklungen aus Davos im Newsblog.

Warum eigentlich Davos?

Die Frage, warum sich die wichtigsten Staaten- und Wirtschaftslenker für vier Tage ausgerechnet in einem abgelegenen 11.000-Einwohner-Ort in den Schweizer Alpen treffen, ist durchaus berechtigt.

Verantwortlich ist Gründer Schwab, der den Skiort bereits 1971 als Treffpunkt ausgewählt hatte. Schwab soll sich bei seiner Ortswahl von dem Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann inspiriert haben lassen. In dem Buch wird Davos als ein Ort der Entspannung und Erholung beschrieben, wo Menschen die klare Bergluft nutzen, um ihre Gesundheit wiederherzustellen.

Schwab wollte für sein Forum eine Umgebung schaffen, in der die Teilnehmer abseits der Großstadt-Hektik entspannt, konzentriert und in gegenseitigem Respekt miteinander diskutieren können. Offenbar ist ihm das gelungen. Der allgemein als konstruktiv beschriebene „Geist von Davos“ galt lange Zeit als Markenzeichen der Veranstaltung.

Wer ist dabei?

Mehr als 3000 Topmanager, Unternehmer, Spitzenpolitiker sowie Vertreter internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft nehmen an der Tagung in diesem Jahr teil – darunter auch zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

Am Dienstagnachmittag sollte Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro eine Rede halten. Am Mittwoch kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Davos. Auch die Bundesminister Jens Spahn (CDU), Andreas Scheuer (CSU), Peter Altmaier (CDU) und Ursula von der Leyen (CDU) sowie die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer haben ihr Kommen angekündigt.

US-Präsident Donald Trump, im vergangenen Jahr noch Stargast der Veranstaltung, musste seine ursprüngliche Zusage wegen des Haushaltsstreits zurückziehen. Auch eine US-Delegation mit mehreren Ministern stornierte mit dieser Begründung die Reise. Der französische Staatschef Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May mussten ebenfalls aus innenpolitischen Gründen absagen.

Neben Politikern nehmen vor allem zahlreiche Unternehmensführer aus aller Welt an der Konferenz teil. Aus Deutschland haben sich die Vorstandschefs von Allianz, BASF, Deutscher Bank, Post, Merck und SAP angemeldet.

Besondere Aufmerksamkeit wird der Auftritt einer erst 16-Jährigen auf sich ziehen - der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die trotz Asperger-Syndroms gegen den Klimawandel kämpft.

Worüber wird gesprochen?

In Davos werden traditionell die ganz großen Fragen der Weltwirtschaft diskutiert. In diesem Jahr steht vor allem die Digitalisierung im Mittelpunkt. „Globalisierung 4.0: Im Zeitalter der vierten industriellen Revolution eine neue globale Architektur schaffen“ heißt das Leitthema der Tagung. Aber auch die Themen wie der andauernde Handelsstreit, ökonomische Ungleichheit, Armut, bewaffnete Konflikte, Flüchtlinge, Umwelt, Klimawandel, der Brexit oder Managementfragen stehen auf der Agenda.

Trifft das Weltwirtschaftsforum Entscheidungen?

Nein. Das Weltwirtschaftsforum ist kein Arbeitstreffen wie etwa ein G20-Gipfel. Die Teilenehmer müssen sich nicht auf ein gemeinsames Schlussdokument einigen. Stattdessen gibt es unzählige Reden, Diskussionsrunden, Pressekonferenzen, Partys und Empfänge.

Am Rand der Veranstaltung aber einigen sich die Teilnehmer natürlich auch auf Geschäfte und Abkommen. Globalisierungskritiker werfen dem Forum deshalb Intransparenz vor. Sie kritisieren, dass ohne demokratische Legitimation Entscheidungen getroffen würden, die das Leben vieler Menschen beeinflussen würden.

Was bringt das Ganze?

Teilnehmer beschreiben Davos als wertvoll. Es ist auch kein Zufall, dass die Chefs der größten und wertvollsten Unternehmen der Welt trotz immenser Unterbringungskosten zu den Stammgästen gehören. Nirgendwo sonst können sie in so kurzer Zeit so viele andere Entscheidungsträger treffen. Das spart Zeit.

Auch der ungezwungene Austausch zwischen Wirtschaft und Politik gilt als großer Vorteil von Davos. Im Vergleich zu Gipfeln, Staatsbesuchen oder Delegationsreisen ist der Druck geringer. Darüber hinaus organisiert das Weltwirtschaftsforum seit vielen Jahren auch den Austausch mit Nichtregierungsorganisationen.

Von Andreas Niesmann/RND

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