Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Wie ein Schweißer aus Deutschland zum gesuchten IS-Kämpfer wurde
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Wie ein Schweißer aus Deutschland zum gesuchten IS-Kämpfer wurde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:14 19.02.2019
Mitglieder der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) fahren durch die zerstörte und befreite Stadt Rakka, einst IS-Hochburg. (Archivfoto). Quelle: Asmaa Waguih/AP/dpa
Anzeige
Leipzig

Der Irrweg des Martin L. aus Zeitz fand am 31. Januar in Ostsyrien ein Ende. Soldaten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) trieben den 28-Jährigen beim Sturm auf die einstigen Dischihadisten-Hochburg Deir Essor in die Enge. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, dass sich der Sachsen-Anhalter zusammen mit seinen beiden Frauen Leonora und Sabina den kurdischen Kämpfern ergeben habe.

Ein Erfolg für die SDF, denn der im Kriegsgebiet nur als Abu Yasir al-Almani bekannte Mann galt als einer der am meisten gesuchten IS-Kämpfer überhaupt. Kein anderer Deutsche war im Terrorregime offenbar so weit in die Führungsebene aufgestiegen wie der Zeitzer. Als Mitglied der IS-Sittenpolizei „Hisbah“ soll er nicht nur besonders skrupellos gehandelt haben, sondern beteiligte sich angeblich auch an öffentlichen Hinrichtungen.

Aufgewachsen ist Martin L. in einem Dorf in der Nähe von Zeitz. Verwandte berichteten gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“, er sei ein ganz normaler Junge gewesen, mit Humor und manchmal verrückten Ideen – aber keineswegs ein Außenseiter. Später stand er bei Motor Zeitz auf dem Fußballplatz, ging auch zum Boxtraining. Sein Trainer beschrieb ihn im Wochenmagazin „Die Zeit“ als „schwierigen Charakter“. Von einer Jugendgang ist auch die Rede, von Prügeleien und kleinen Straftaten.

Lehre bei der Mibrag – Wohnung in Leipzig

Spätestens 2007 scheint diese Episode aber vorbei zu sein: Martin L. bewarb sich bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag), bekam eine Lehrstelle als Schweißer. Nach der Ausbildung arbeitete er sechs Jahre im Konzern, berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung“. In dieser Zeit soll sich eine Wandlung in ihm vollzogen haben.

2010 kam Martin L. angeblich erstmals über Bekannte mit dem Islam und dem Koran in Kontakt. Drei Jahre später lebte er in Leipzig inmitten der vielen Kulturen entlang der Eisenbahnstraße. Einen Gebetsraum, den er zuvor in Zeitz noch vergeblich beim Bürgermeister beantragt hatte, fand er in der Messestadt in der umstrittenen Al-Rahman-Moschee. Dort heiratete Martin L. 2013 auch seine Zeitzer Freundin, die mit ihm zusammen zum Islam konvertierte. Die Ehe hält nicht lange, L. heiratete erneut, gleich zweifach. Später im Kriegsgebiet kam auch noch eine dritte Frau hinzu, Leonora heißt sie, gebürtig aus Sangerhausen.

Im Sommer 2014 riefen Dschihadisten des selbst ernannten „Islamischen Staates“ in Syrien ihr Kalifat aus, von West- und Mitteleuropa strömten Islamisten ins Kampfgebiet. Zu dieser Zeit soll Martin L. bereits Kontakt mit dem Hildesheimer Salafistenprediger Abu Walaa aufgenommen haben, berichtet die „Neue Presse“.

Walaa gilt als wichtigster Vertreter des IS in Deutschland, finanziert in dieser Zeit womöglich zahlreichen Mitstreitern die Reise nach Syrien. Martin L. soll von Walaa 2000 Euro erhalten haben. Im November bestieg er demnach in Hannover ein Flugzeug und reiste mit Frauen und Sohn über Istanbul in Richtung Syrien. Wenig später begann der rasante Aufstieg in der Terror-Gruppe, offenbar bis in die Führungsebene hinein.

Folterungen im Stadion von Rakka

Für Gleichgesinnte in Europa fertigte Martin L. Mobilisierungsvideos an, zeigte sich darin lässig singend in Kampfausrüstung. Später soll er im nordsyrischen Rakka für die Sittenpolizei und für den berüchtigten Geheimdienst „Amnijat“ gearbeitet haben, berichtet die „Zeit“. Mit erfolgreicher Gegenspionage und dem Aufdecken ausländischer Agenten soll sich der Zeitzer einen Namen gemacht haben. Mitkämpfer des IS beschrieben ihn als extrem und gewissenlos.

Nun liegen europäischen Sicherheitsbehörden laut des Wochenmagazins auch Aussagen vor, in denen Martin L. als Folterer und Mörder beschrieben wird. Im Stadion von Rakka soll er bei öffentlichen Folterungen mehrere Menschen zu Tode gequält haben. Die „Zeit“ bezieht sich dabei auch auf Facebook-Nachrichten, die der 28-Jährige Freunden geschickt habe. Darin heißt es angeblich: „Ich habe Menschen die Köpfe abgeschlagen.“

Im Oktober 2017 wird Rakka von der SDF befreit, das Terror-Kalifat des „Islamischen Staates“ bricht auseinander. Der Zeitzer war von nun an auf der Flucht, zusammen mit seinen Frauen und Kindern. An der Seite von Leonora und Sabina wird er festgenommen, sein Verbleib ist seither unklar. Stattdessen gibt es Filmaufnahmen von Leonora beim US-Sender CNN. In dem Video sagt sie: „Mein Mann ist kein Kämpfer. Er ist ein Techniker, arbeitet am Laptop. Er hat niemanden getötet.“ Die 19-Jährige hofft auf eine baldige Heimkehr, für Martin L. dürfte das ausgeschlossen sein.

Von Matthias Puppe/RND/LVZ

In Deutschland ist es die AfD, in Österreich die FPÖ und in Frankreich wieder eine andere Partei – sie alle haben einen skeptischen Blick auf die Europäische Union. Laut einer aktuellen Umfrage könnten sie nach der Europawahl in wenigen Wochen mehr Macht im EU-Parlament haben.

19.02.2019

Es ist bereits der dritte Mensch binnen drei Monaten, der in Obhut der US-Grenzschutzbehörde stirbt: ein 45 Jahre alter Migrant aus Mexiko. Der Mann hatte zuvor bereits über gesundheitliche Probleme geklagt. Er war an der US-Grenze festgenommen worden.

19.02.2019

Dürfen Lehrer und Eltern den Messengerdienst WhatsApp in der Schule benutzen? Jein – denn die Linie der Bundesländer ist längst nicht einheitlich. Neben Datenschutz-Bedenken macht auch eine Dauer-Erreichbarkeit der Lehrer Sorgen. Ein Überblick.

19.02.2019