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Deutschland / Welt Sorge vor gewaltbereiten Tschetschenen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Sorge vor gewaltbereiten Tschetschenen
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09:43 06.08.2013
Von Klaus von der Brelie
Kontrollen am Flughafen (Symbolbild). Quelle: dpa
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Berlin/ Hannover

Experten in Landes- und Bundesbehörden, die namentlich nicht zitiert werden wollen, sprechen von einer „ernsten Bedrohungslage“ und erinnern an die tschetschenischstämmigen Attentäter, die am 15. April beim Marathon in Boston zugeschlagen haben. Drei Menschen wurden damals getötet, weitere 264 verletzt. Die Attentäter standen in Verbindung mit dem radikalislamischen Netzwerk „Kaukasus-Emirat“, das im Süden der Russischen Föderation einen Gottesstaat errichten und russische Einrichtungen ebenso wie den Westen mit Terror überziehen will.

Gesinnungsgenossen dieser Gruppe halten sich derzeit in Brandenburg auf. Dort treten sie als islamistische Sittenwächter in Erscheinung und terrorisieren die Bewohner einer Asylbewerberunterkunft in Eisenhüttenstadt. Vorläufiger Höhepunkt des brutalen Eintretens „für Islam-konformes Verhalten“: Ein junges Paar wurde von zehn Männern verprügelt, weil die Frau kein Kopftuch trug und oft in Jeans gekleidet war. Wie Susann Fischer vom Innenministerium in Potsdam am Montag der HAZ bestätigte, wurden die beiden Opfer so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Als Haupttäter gilt ein polizeibekannter 38-jähriger Tschetschene.

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In Nordhausen in Thüringen war bereits im Frühjahr ein tschetschenischer Islamist aufgefallen, der zu Selbstmordanschlägen aufrief. Gleichzeitig sammelte er in einer Moschee Geld für Terrorgruppen in seiner Heimat. Die Polizei hält den Mann auch für einen Waffenschmuggler.

In Niedersachsen sind die Behörden zu erhöhter Wachsamkeit übergegangen. Beim Verfasssungsschutz in Hannover sieht man eine „Zunahme des Extremismuspotenzials“ schon aufgrund der wachsenden Zahlen. Von Januar bis Juni wurden in Deutschland 9957 Asylanträge von Flüchtlingen aus der Russischen Föderation gestellt, davon 1038 in Niedersachsen. Eine Untergliederung in diverse russische Regionen gibt es offiziell nicht. In Sicherheitskreisen heißt es aber, rund 90 Prozent der russischen Asylbewerber seien Tschetschenen.

Im ersten Halbjahr 2012 hatte es bundesweit nur 1007 Asylbewerber aus der Russischen Föderation gegeben. Damals war Russland unter den Herkunftstaaten auf Platz acht, inzwischen steht es auf Platz eins. Während durchschnittlich 15 Prozent aller Asylbewerber in Deutschland anerkannt werden, liegt die Quote bei Bewerbern aus der Russischen Föderation bei nur elf Prozent.

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