Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt So funktioniert das deutsche Wahlsystem
Nachrichten Politik Deutschland / Welt So funktioniert das deutsche Wahlsystem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Am 22. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Quelle: dpa
Anzeige

Wer darf wählen?
Jeder deutsche Staatsbürger ab 18 Jahren. Voraussetzung ist, dass man am Stichtag 18. August bei einer Kommune als Einwohner gemeldet ist und später im Wahllokal seinen Ausweis bei sich hat. Im Ausland lebende Deutsche können ihre Teilnahme bis 1. September beantragen.

Wo wird gewählt?
In 80.000 Wahllokalen. Meist sind sie in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden. Der genaue Ort steht auf der Wahlbenachrichtigung, die jeder registrierte Wähler Ende August von seiner Kommune bekommt.

Und wenn jemand am 22. September keine Zeit hat?
Niemand muss wählen. Man kann aber mit der Wahlbenachrichtigung Briefwahl-Unterlagen bestellen und seine Stimme dann schon vorher per Post abgeben. Der Brief sollte spätestens am Donnerstag vor dem Wahlsonntag abgeschickt werden.

Wer kann denn gewählt werden?
Generell gibt es in den 299 Wahlkreisen jeweils zwei Arten von Kandidaten: Direktkandidaten und Listenkandidaten. Jeder Wähler kann deshalb zweimal sein Kreuz machen: mit der sogenannten Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten.

Was sind Direktkandidaten?
Sie treten in nur einem Wahlkreis gegeneinander an. In den Bundestag zieht allein derjenige mit den meisten Stimmen ein. Jede Partei kann jeweils einen Kandidaten vorschlagen, den sie selbst vorher aber nach festgelegten Regeln intern gewählt haben muss. Auch parteiunabhängige Bewerber können antreten; sie brauchen aber ebenso wie Bewerber kleinerer Parteien die Unterstützung von 200 Wahlberechtigten aus ihrem Wahlkreis – nachzuweisen per Unterschrift.

Und Listenkandidaten?
Sie werden von den Parteien für jeweils ein Bundesland aufgestellt. Die Landesliste kann beliebig viele Kandidaten enthalten. Wie viele davon Abgeordnete werden, hängt davon ab, wie viel Prozent der Zweitstimmen die Partei bundesweit erhält: Je höher jemand auf der Liste steht, desto größer seine Chance auf einen Sitz im Bundestag. Die Listen stellen die Parteien durch Wahlen auf Landesparteitagen zusammen. Kleinere Parteien müssen zudem 2000 Unterstützerunterschriften nachweisen - an dieser Hürde ist etwa die weitgehend unbekannte Partei der Vernunft gescheitert.

Zwei Arten von Kandidaten – wie wird denn da das Prozentergebnis einer Partei ermittelt?
Dafür spielt die Erststimme keine Rolle: Allein die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen. Für schwächere Parteien gibt es aber ein Hintertürchen: Sie kommen trotzdem entsprechend ihrem Prozentergebnis in den Bundestag, wenn ihre Direktkandidaten in mindestens drei Wahlkreisen gewinnen; schaffen sie das nur in einem oder zwei Wahlkreisen, haben auch nur diese ein oder zwei Wahlkreissieger einen Sitz im Parlament.

Wie viele Abgeordnete werden insgesamt gewählt?
Das ist vorher schwer zu sagen. Theoretisch besteht der Bundestag aus 598 Abgeordneten: je zur Hälfte aus direkt Gewählten (per Erststimme) und den via Liste gewähltenn Kandidaten (per Zweitstimme). In der Praxis votieren viele Wähler mit Erst- und Zweitstimme aber für verschiedene Parteien. Vor allem größere Parteien wie SPD und Union gewinnen daher in den Wahlkreisen oft mehr Direktmandate, als ihnen nach ihrem bundesweiten Zweitstimmenergebnis zustehen. Sie haben dann sogenannte Überhangmandate. Das heißt: Der Bundestag hat mehr als 598 Abgeordnete – in der zu Ende gehenden Wahlperiode waren es 620. Bisher wurden Überhangmandate nicht ausgeglichen, so dass diese Parteien einen Vorteil hatten. Am 22. September ist das nun erstmals anders: Hat eine Partei ein Überhangmandat, bekommen alle anderen in den Bundestag einziehenden Parteien so viele Ausgleichsmandate, bis das exakte Kräfteverhältnis wieder hergestellt ist. Damit wird der nächste Bundestag aber noch größer als der bisherige. 

Und wie wird ermittelt, wer genau einen Sitz bekommt?
Auch das ist ziemlich kompliziert. Zunächst wird ermittelt, wie viele von den theoretisch 598 Bundestagssitzen einer Partei nach ihrem Zweitstimmenergebnis zustehen. Dann werden diese Sitze entsprechend dem jeweiligen Zweitstimmenergebnis in den Bundesländern auf die Landesverbände der Partei verteilt. Innerhalb der Landesverbände erhalten zuerst alle direkt gewählten Wahlkreiskandidaten einen Sitz, bleiben welche übrig, gehen diese an die Kandidaten der Landesliste entsprechend deren Reihenfolge.

Und wer organisiert und kontrolliert die Wahl?
Der Bundeswahlleiter – das ist immer der Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, derzeit Roderich Egeler. Er hat natürlich Helfer: rund 600.000. Sie kontrollieren in den Wahllokalen, ob die Wähler registriert sind und sich ausweisen können, zählen die Stimmen und melden das Ergebnis weiter. Für dieses Ehrenamt kann sich jeder Wahlberechtigte freiwillig melden. Gibt es nicht genug Freiwillige, wählen die Kommunen per Zufall Wahlberechtigte aus. Diese sind verpflichtet, dem zu folgen.

dpa

Einen Monat vor der Bundestagswahl besucht Kanzlerin Merkel die KZ-Gedenkstätte Dachau – zwischen zwei Wahlkampfreden. Geschmacklos, wettern die Grünen. Lobenswert, sagt dagegen Charlotte Knobloch.

20.08.2013

Vor der Bundestagswahl 2013 schließen die Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Sigmar Gabriel
 nichts aus, sondern bleiben
 entspannt: Notfalls wird eben gepokert.

Matthias Koch 23.08.2013

Die Islamisten in Ägypten geraten immer mehr in die Defensive. In der Nacht wurde das Oberhaupt der Muslimbruderschaft verhaftet. Die Europäer überlegen, wie sie auf die Entwicklung in Ägypten nach dem Sturz Mursis reagieren sollen.

20.08.2013