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Politik Ein Hauch von Las Vegas in Kiel
Nachrichten Politik Ein Hauch von Las Vegas in Kiel
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21:25 14.09.2011
Der Sportwettenanbieter Oddset verliert im kommenden Jahr sein Monopol. Quelle: dpa
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Die CDU/FDP-Mehrheit im Land hat staatliche Wett- und Spieleinschränkungen gekippt. Privatanbieter dürfen im nördlichsten Bundesland bald Lottoscheine anbieten. Sportwetten, für die Oddset das staatliche Monopol besitzt, werden über private Dienste legal. Und auch wer gerne Poker mit Geldeinsatz im Internet spielt, soll nicht mehr – illegal – den Umweg über Onlineportale aus dem Ausland nehmen müssen.

„Wir sind das erste Land, das die Realität des Internets erkennt und daraus die richtigen Schlüsse zieht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kieler Landtag, Hans-Jörn Arp. Die übrigen Bundesländer halten sich noch an den Glücksspielstaatsvertrag, der Internetwetten und Online-Poker verbietet. Eine geplante Modifikation sieht nur vor, sieben private Wettanbieter in Deutschland zu lizensieren. Die EU kritisiert die Einschränkung des freien Marktes. Blieben die anderen 15 Länder aber dabei, ergäbe sich eine skurrile Situation: In Schleswig-Holstein dürfte man per Internet Wetten auf dem freien Markt platzieren, in Niedersachsen oder Bayern nicht. Arp will keine Grenze um sein Land ziehen: „Schleswig-Holstein hat keine Handhabe und kein Interesse, Spieler aus anderen Bundesländern auszuschließen“, sagt er.

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Eine Liberalisierung des Glücksspiels verspricht gigantische Umsätze. Auf sieben bis acht Milliarden Euro im Jahr wird allein das Marktpotenzial von Sportwetten in Deutschland geschätzt. Oddset erlöse derzeit nur einen Bruchteil davon, der Rest wandere ins Ausland, argumentiert die Kieler CDU-Fraktion. Das Land erhofft sich zusätzliche Einnahmen von 60 Millionen Euro im Jahr – und etwa 2000 neue Arbeitsplätze.

Vom großen Glücksspielkuchen wollen auch andere Länder etwas abhaben. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) lobte prompt die Eckpunkte des schleswig-holsteinischen Modells. Der nördliche Nachbar habe den Druck mit seinem Solo erhöht, ergänzte ein Sprecher des Ministeriums. In Hannover setzt man nun auf das verbliebene Zeitfenster, bis am 1. März 2012 die Wett-Lizenzen in Schleswig-Holstein vergeben werden sollen. Vielleicht werde bis dahin noch ein für alle Bundesländer verbindlicher „europarechtskonformer Gesamtbeschluss“ gefunden.

Die Anbieter von Sportwetten und Onlinegeldspielen frohlocken derweil. 35 Firmen haben allein am Mittwoch Visitenkarten im Kieler Landtag hinterlassen: Sie suchen Kontakt zu den Behörden, die bald die Lizenzen vergeben.

Sebastian Harfst

Klaus Wallbaum 02.09.2011