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Niedersachsen 30 Jahre danach: Spurensuche am früheren Todesstreifen
Nachrichten Politik Niedersachsen 30 Jahre danach: Spurensuche am früheren Todesstreifen
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14:49 01.10.2019
Ende eines langen Geschichtslaufs: Schülern und Lehrer der Henriette Breymann-Gesamtschule Wolfenbüttel springen nach neun Tagen und 1400 Kilometer Staffellauf über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in die Ostsee Quelle: Peter Kunz/ZDF
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Hannover

Man kann ihn heute ablaufen oder gemächlich auf ihm wandern – noch vor 30 Jahren war es lebensgefährlich, sich dem Todesstreifen zu nähern, der sich mitten durch Deutschland zog. Peter Kunz, Studioleiter des ZDF in Hannover, hat sich nun mit seinem Kollegen aus Thüringen, Andreas Postel, auf Spurensuche am ehemaligen Todesstreifen begeben – und schildert zum Gedenktag der Deutschen Vereinigung am 3. Oktober in einer Reportage mit vielen Bezügen zu Niedersachsen, was sich diesseits und jenseits der niedergerissenen Todesgrenze verändert hat. Oder auch nicht.

Im Staffellauf bis hoch auf den Brocken

Die Reporter begleiten beispielsweise Schüler und Lehrer der Henriette Breymann-Gesamtschule aus Wolfenbüttel, die in diesem Sommer die grüne Grenze in neun Tagen in Form eines Staffellaufs abgelaufen sind. Die Strecke verlief von Süd nach Nord mit Zwischenstation auf dem Brocken, der früher als gigantischer Horchposten der DDR an der innerdeutschen Grenze diente. Reporter Kunz hat hier selbst als Bundeswehrssoldat Dienst getan und als Mitglied einer Einheit namens Psychologische Verteidigung Artikel verfasst, mit denen die Arbeiter und Bauern zum Überlaufen bewegt werden sollten. Von größeren Ost-West-Überläufen ist in dieser Zeit nichts überliefert, mehr Resonanz dürfte indes der ZDF-Reportage zuteil werden.

Sie berichtet von Orten, in denen die Ost-West-Distanz kaum noch eine Rolle spielt, weil die regionale Identität alles überlagert – etwa bei der historischen Pferdewallfahrt Etzelsbach im thüringischen Eichsfeld. Immerhin zeigt sich hier gewachsener Wohlstand in der deutlich höheren Zahl von Pferden, die gesegnet werden, während der örtliche Pfarrer klagt, dass „in Zeiten der Bedrängnis der Glaube fester und freier“ gewesen sei. Demgegenüber sind im ehemals geteilten Dorf Zicherie-Böckwitz alte Wunden immer noch nicht vernarbt, eher noch tiefer geworden. Aber unter den Alten, die geblieben sind.

Übernachten im Wachturm

Doch die meisten Gesprächspartner, die das Autorenduo an der 1400 Kilometer langen früheren Grenze getroffen hat, kümmern sich heute eher darum, dass überhaupt noch so etwas wie historisches Bewusstsein bleibt. Auch deshalb hat der frühere Bürgermeister des Ostseebades Kühlungsborn dafür gestritten, dass der Ostsee-Wachturm erhalten bleibt, von dem die DDR-Grenzer in die keineswegs grenzenlosen Weiten der Ostsee starrten. Und ein Wessi namens Fredi hat bei Duderstadt einen ausgedienten Wachturm erworben, in dem es DDR-Devotionalien zu kaufen gibt und in dem Hochzeitspaare auch mal eine Nacht verbringen können – eine eher skurriles Angebot.

Wie sehr die deutsch-deutsche Geschichte verblasst, zeigt auch ein Abstecher ins Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen, in dem heute vornehmlich Syrer auf ihr Leben im freien Westen vorbereitet werden. Es gilt wohl die Devise, die bei einer Trabi-Parade in Lübeck verbreitet wird: „Die DDR ist tot, der Trabi ewig.“ Das muss am Plastik liegen.

„Grenzgänger. Spurensuche am ehemaligen Todesstreifen“, Film von Peter Kunz und Andreas Postel. ZDF, Donnerstag, 3. Oktober, 11.30 Uhr bis 12 Uhr.

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