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Niedersachsen Ein Ave-Maria für Andrea N.
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00:18 03.06.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Ach, vielleicht sollte die SPD verfahren wie die Lebensmittelketten Real und Rewe, die die früher beliebten Sonnenblumenkerne des Herstellers Maryland nach einer Produktwarnung aus dem Regal genommen haben. Doch kann die gute alte Tante SPD mit einer Produktwarnung Andrea Nahles einfach aus dem Regal nehmen? Fragen über Fragen. Dabei hatte Frau Nahles, so hört man, alles so geschickt vorbereitet. Sie selbst hatte platziert, dass der olle Martin Schulz (Sie erinnern? Jener Mann „mit den Haaren im Gesicht“, wie einst eine Halbwüchsige formulierte) einen Putsch gegen sie plane. Obwohl der gar nicht putschen wollte. Und am Montagmorgen hatte Nahles noch alle auf den Spruch eingeschworen, dass man ja keine Personaldiskussionen wolle, um sich kurz danach mit einer vorgezogenen Abstimmung selbst in die Ewigkeit zu putschen. Wunderbar. Das nennt man ein vorzügliches Ränkespiel. Eene, meene, muh – und raus bist du.

Vielleicht sollte die SPD dem neuen Traumschiff-Kapitän Florian Silbereisen den Vorsitz antragen. Er ist noch keine 40, nicht mehr mit Helene Fischer liiert, er hat Ausstrahlung, Charme, nichts mit der Agenda 2010 zu tun, und er hat – was noch wichtiger ist – keinen Juso-Stallgeruch, was schlichtweg heißt, dass er nicht zu jeder Ferkelei fähig ist. Und er kann im Vergleich zu Andrea Nahles vor allem eines: singen. Wäre es nicht an der Zeit, einmal ganz neu zu denken?

Angesichts der Rasanz, mit der sich in diesen Zeiten der politische Schwachsinn verbreitet, wird einem ganz schwummerig. Auch bei ernsten Themen. Da gibt es in Berlin doch einen Antisemitismusbeauftragten. Der wird gleichsam für politische Sensibilität bezahlt. Und was macht der Mann? Warnt unsere jüdischen Freunde davor, in der Öffentlichkeit Kippa zu tragen, was für einen orthodoxen Juden schon der Aufforderung gleichkäme, Deutschland zu verlassen. Und nachdem diese unbedachte Warnung international einen Proteststurm entfacht hat, fordert derselbe Beauftragte alle Deutschen auf, eine Kippa zu tragen. Als Zeichen der Solidarität. Ja Herrgottsakra. Geht’s noch? Wo bleibt eigentlich der Respekt vor religiösen Symbolen? Und ein großes Blatt verteilt Kippas zum Ausschneiden und Selberbasteln. Ist ja gut gemeint – aber zum Heulen.

Vielleicht macht es die deutsche SPD wie der österreichische Bundespräsident Van der Bellen und setzt erst einmal eine Verfassungsgerichtspräsidentin als Übergangslösung ein. Wobei die Frau Bierlein, die mehr als doppelt so alt ist wie der jüngste Altkanzler der Republik, einen überaus feschen (sagt man so in Wien) Eindruck macht. Wir hatten schon immer einen gewissen Respekt vor Verfassungsorganen, zumal, wenn sie sich in einer so guten Verfassung präsentieren ...

Und Niedersachsen? Wartet ab. Ministerpräsident Stephan Weil hat sich diese Woche mit Bischöfen auf Pilgertour begeben, wobei nicht bekannt ist, wie viele Paternoster und Ave-Maria für Andrea Nahles gebetet wurden oder ob überhaupt. Und das Bundesamt für Strahlenschutz vermeldet, man sei gerade mit einem Infomobil unterwegs: „Strahlenschutz zum Anfassen“, heißt die Devise. Ach, doch lieber nicht.

Von Michael B. Berger

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