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Niedersachsen Von Currywurst und Porsche
Nachrichten Politik Niedersachsen Von Currywurst und Porsche
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18:00 06.09.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
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Geflaggt wurde am Mittwoch nicht in Niedersachsen, als die Nachricht herumlief, dass die Currywurst 70 Jahre alt geworden ist. „Sie ist so deutsch wie Mülltrennen, die Bundesliga und ,Mahlzeit‘-Sagen“, schrieb die Deutsche Presseagentur in einem wundersam-würzigen Satz, dem wir nicht widersprechen wollen. Und Ministerpräsident Stephan Weil, der diese Woche mal wieder auf Wanderurlaub war, notierte auf Facebook, dass die Currywurst eine „Erfolgsgeschichte aus Niedersachsen“ sei. Schließlich gebe es das weltberühmte Wurstprodukt seit 1973 als VW-Originalteil mit der Nummer 199 398 500 A. Und das verkaufe sich jedes Jahr millionenfach, frohlockt Weil. Immerhin gibt es die Wurst in Hannover noch als „Kanzlerplatte“. Und das, obwohl eine von Schröders Frauen in Zeiten, als man Veganer noch für Erscheinungen vom Mars hielt, dem Kanzler den Genuss der Wurst verboten haben soll. Kanzlerplatte – mit Fähnchen und Pommes in jedem Fall ein Geschmackserlebnis der besonderen Art.

Dass nun Alexander zu Schaumburg-Lippe behauptet, Geburtsort der Currywurst sei nachweislich seine Schlossküche in Bückeburg und nicht eine Kneipe in Berlin, tun wir in den Bereich der Sage ab. Der Prinz ist schließlich auch kein Fürst, wie er sich nennt. Sagenhaft auch, dass es im Ruhrgebiet Belege geben soll, dass die Frühzeit der Currywurst dort begonnen habe. Doch sollte man da erst einmal das Ergebnis jüngerer archäologischer Untersuchungen abwarten. Auf jeden Fall bleibt die Currywurst eine ziemlich abgebrühte Sache mit reichlich brauner Soße. Dass so etwas vielen Deutschen schmeckt, erklärt auch den Erfolg der AfD, wobei wir hier nicht jeden Freund der Currywurst zum Wurstextremisten erklären wollen. Eine derart wurstige Argumentation überlassen wir doch lieber denen. „Bürgerlich“ ist die Currywurst übrigens auch nicht, das verbindet sie mit der AfD, obwohl die Wurst im Gegensatz zur Neuen Rechten nicht über sich reflektieren kann.

Niedersachsen, das Ministerpräsidenten gern als Agrarland Nummer Eins und Windenergieland titulieren, ist auch das Land der Windbeutel, Aufschneider und Abfahrer, sowie der Blitze. Was weniger mit den (wenigen) Blitzgescheiten im Land zusammenhängt, sondern mit einer neuen Statistik, die das Münchener Blitzortungsunternehmen nowcast (womit man alles Geld machen kann) am Dienstag veröffentlichte. Danach ist Bayern zwar mit rund einem Viertel aller über Deutschland herniedergegangen Blitze (1,06 Millionen) die Nummer Eins, aber dann folgt schon Niedersachsen. Mit der Hälfte der Blitze (503.000 Entladungen). Und was sagt uns das? Wenig. Oder: Das Risiko von einem Blitz erschlagen zu werden, ist in Niedersachsen geringer als in Bayern. Vielleicht sagt man deshalb dort schon am frühen Morgen: „Grüß Gott.“

Die schönste Nachricht der Woche erreichte uns diese Woche aus Österreich, nämlich dass Autolegende Ferdinand Piëch nicht nur zwölf, sondern 13 Kinder gezeugt habe. Und wir hören vorm inneren Ohr den Jubelschrei, der im Jahre 1973 im Hause der Dynastie Piëch/Porsche erklungen sein soll: „Es ist ein Porsche!“

Von Michael B. Berger

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