Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Bildungsverbände fordern Reform der Grundschule
Nachrichten Politik Niedersachsen Bildungsverbände fordern Reform der Grundschule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:28 28.09.2011
Die moderne Grundschule soll benachteiligten Kindern ebenso gerecht werden wie kleinen Überfliegern. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Verbindlicher Ganztagsunterricht, individuelles Lernen und kein Sitzenbleiben mehr: Eine tiefgreifende Reform der Grundschule haben drei niedersächsische Bildungsverbände am Dienstag in Hannover gefordert. Sowohl benachteiligte als auch hochbegabte Kinder sollten in der modernen Grundschule besser gefördert werden, betonte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt.

Der Reformvorschlag der GEW, des Grundschulverbands und des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) sieht unter anderem die landesweite Einführung der Ganztagsschule bis 15.00 Uhr und eine bessere Personalausstattung vor.

Anzeige

Hintergrund ist der Gesetzentwurf zur sogenannten Inklusion, den die Landesregierung seit längerem vorbereitet. Er geht zurück auf eine UN-Konvention über die Rechte Behinderter. „Bisher hat die Landesregierung nichts Substanzielles hingekriegt zu diesem Thema“, kritisierte Brandt. „Das Gesetz ist zu spät.“

Nach Angaben der Verbände soll das Gesetz vom Schuljahr 2012/2013 an behinderten Kindern den Besuch von regulären Schulen ermöglichen. Mehr als die Hälfte der Grundschulen erhalte aber bereits jetzt eine sonderpädagogische Grundversorgung, so dass auch behinderte Kinder Zugang zu regulären Schulen haben könnten, sagte die Sprecherin des Kultusministeriums, Corinna Fischer.

Vorbild für den Reformvorschlag sind innovative Konzepte, wie etwa in der Bielefelder Laborschule praktiziert. Je nach Begabung, sollen die Mädchen und Jungen das Pensum der ersten beiden Schuljahre in ein bis drei Jahren absolvieren. Um Kinder mit Lern- oder Sprachschwierigkeiten kümmern sich Förderschullehrer, die am regulären Unterricht beteiligt sind.

Schüler sollen künftig nicht mehr auf eventuellen Förderbedarf getestet werden. „Das Stempeln muss aufhören“, sagte die VBE-Vorsitzende Gitta Franke-Zöllmer. Pädagogen-Teams kümmern sich um die höchstens 24 Schüler zählenden Klassen. Statt nur Betreuung soll es auch am Nachmittag echte Bildungsangebote geben.

Kosten nicht zu beziffern

Die Grundschulen müssten sich auch baulich verändern: Klassen-, Fach- und Gruppenräume, Küche und Mensa für das gemeinsame kostenfreie Mittagessen sind notwendig. Wie viel die Reform kosten würde, konnten die Verbände nicht beziffern.

Grundschulen in Brennpunkten sollten aber eine besonders gute Ausstattung erhalten. „Wir wollen die soziale Benachteiligung ausgleichen“, betonte die Vorsitzende des Grundschulverbands, Christiane Töller-Weingart. Die Fraktionen der SPD und Grünen im Landtag begrüßten das Modell.

80 Prozent der förderungsbedürftigen Kinder haben keine schwere körperliche oder geistige Behinderung, sondern Lern- oder Sprachschwierigkeiten beziehungsweise Verhaltensauffälligkeiten. Nach Meinung der Verbände sind sie ohne Probleme zu integrieren, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Alle Schüler profitierten von der besseren Personalausstattung der integrativen Klassen, berichtete Lehrerin Franke-Zöllmer aus ihrer Erfahrung. So habe sie schon Anrufe von Eltern bekommen, die ihre Kinder in eine integrative Klasse wechseln lassen wollten, weil es darin mehr erwachsene Ansprechpartner gebe.

dpa

Niedersachsen Strahlen-Jahresdosis wird nicht überschritten - McAllister glaubt nicht an Absage von Castortransport
27.09.2011
26.09.2011