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Niedersachsen Bund sucht Alternativen zu Gorleben
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21:09 30.05.2011
Von Klaus von der Brelie
Endlager Gorleben. Quelle: dpa
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Bundesweit sollen jetzt Alternativen zum Standort im niedersächsischen Gorleben erkundet werden.

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzte Ethikkommission zur Energiewende fordert, neben Gorleben auch andere Standorte zu prüfen. Es sollte „eine rückholbare Lagerung unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen“ vorgenommen werden, sagte der Kommissionsvorsitzende und frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer. Dies sei auch ethisch geboten. Merkel sagte bei der Entgegennahme des Kommissionsberichts, sie werde die Empfehlungen als „Richtschnur“ nehmen. „Wir brauchen für diesen Strom der Zukunft auch eine ganz neue Architektur unserer Energieversorgung“, sagte Merkel.

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Bundesumweltminister Norbert Röttgen sagte, es sei die Pflicht, die Untersuchung in Gorleben zu einem Ergebnis zu führen. „Mit welchem Ergebnis auch immer“.

Bisher setzten Union und FDP auf eine Erkundung des Salzstocks in Gorleben. SPD und Grüne fordern eine bundesweite Suche. Die Atomindustrie hat in die seit 1977 laufende Gorleben-Erkundung bisher rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Es gibt Zweifel, ob der Salzstock sicher genug ist, um hoch radioaktiven Müll darin dauerhaft in mehr als 800 Metern Tiefe endzulagern.

Gegen eine Endlagererkundung außerhalb Niedersachsens sträubten sich jahrzehntelang nahezu alle Bundesländer. Nachdem die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg jetzt ihre Bereitschaft erklärt hatte, an der Suche nach Alternativen zu Gorleben mitzuwirken, überraschte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Montagmorgen mit einer Kehrtwende. Seehofer sagte, alle geologischen Aspekte müssten erneut auf den Prüfstand gestellt werden. „Wir müssen erst mal Deutschland ausleuchten.“ Atomkraftgegner aus dem Wendland begrüßen am Montag die Kehrtwende in Bayern. „Endlich wird die Blockadehaltung der CDU/CSU aufgegeben“, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Niedersachsens SPD-Fraktionschef Stefan Schostok forderte in Hannover Ministerpräsident David McAllister (CDU) auf, Gorleben nun eine deutliche Absage zu erteilen. „Die Empfehlung der Ethikkommission und die Bereitschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer zu einem Neustart in der Endlagerfrage sollten nun endlich auch die niedersächsische Landesregierung zur Einsicht bringen“, erklärte Schostok.

Neben Salzstöcken wie in Gorleben könnten auch Ton- und Granitformationen in Süddeutschland als Standorte in frage kommen. Inzwischen bringen Experten auch sogenannte Kurzzeit-Endlager ins Gespräch, in denen der Atommüll vorübergehend unterirdisch gelagert werden könnte.

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende sieht vor, spätestens 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk abzuschalten und erneuerbare Energien so schnell wie möglich zu installieren. Die sieben ältesten Meiler und das AKW Krümmel werden sofort stillgelegt – allerdings soll ein AKW als stille Reserve in einem Stand-by-Modus gehalten werden.

Die Bundesregierung hofft bei ihren Ausstiegsplänen auf die Zustimmung der Opposition, wie Kanzlerin Merkel betonte.

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