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Niedersachsen Bunte Mischung in Osnabrück
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08:32 26.08.2013
Von links: Wolfgang Griesert (CDU), Birgit Bornemann (SPD), und der Kabarettist Kalla Wefel (parteilos) sind drei der sechs Kandidaten. Quelle: dpa
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Osnabrück

Er will eine Städtepartnerschaft mit Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang, um damit „hungrige“ Nachwuchsspieler für seinen geliebten VfL Osnabrück zu bekommen, in der Stadtmitte statt eines XXL-Einkaufszentrums eine Art Central Park anlegen und kirchliche Einrichtungen verstaatlichen. Wenn am 22. September die Osnabrücker über ihren neuen Oberbürgermeister abstimmen, haben sie auch die Möglichkeit, dem Kabarettisten Kalla Wefel ihre Stimme zu geben.

Gleich sechs Kandidaten treten in der nach Hannover, Braunschweig und Oldenburg viertgrößten niedersächsischen Stadt an. Die Neuwahl des Stadtoberhaupts wurde notwendig, weil der SPD-Politiker Boris Pistorius nach der gewonnenen Landtagswahl im Januar vom OB-Büro am Osnabrücker Markt in das des niedersächsischen Innenministers in Hannover wechselte. SPD, CDU, FDP und Grüne stellen eigene Kandidaten. Dass sich noch nicht mal Rote und Grüne auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten, ist ein Umstand, der Wefel, der sich selbst als „heimatlosen Linken“ bezeichnet, ungemein ärgert.

„Ich hatte vorher Null Chancen“, sagt der 61-Jährige Wefel, aus dessen Wahlprogramm unverkennbar die Ironie des Kabarettisten spricht. Durch die vielen Bewerber sei nun die Möglichkeit für alle, in die Stichwahl zu kommen, viel größer geworden. „Dadurch kriegt das Ganze natürlich eine urkomische Wirkung.“

Wefels SPD-Gegenspielerin heißt Birgit Bornemann. Politische Erfahrung hat die 62 Jahre alte Geschäftsführerin des Studentenwerks Osnabrück nicht. Als gebürtige Osnabrückerin liegt ihr ihre Heimatstadt aber am Herzen, betont sie. „Hier lohnt es sich zu leben“, sagt sie, will sich für solide Finanzen, Arbeitsplätze und erschwinglichen Wohnraum einsetzen. Immerhin wäre sie bei einem Wahlsieg die erste hauptamtliche Oberbürgermeisterin Osnabrücks.

Rechtsanwalt Thomas Klein hat für die Grünen den Hut in den Ring geworfen. Sein wichtigstes politisches Ziel sei die Umsetzung eines Klimaschutzprogramms, sagt der 58 Jahre alte Jurist, der seit 2011 im Stadtrat sitzt. Er rechne sich durchaus Chancen aus, am Ende als Sieger dazustehen. Bei den vergangenen Wahlen hätten die Grünen um die 20 Prozent der Stimmen bekommen. „Außerdem habe ich auch von vielen konservativ eingestellten Menschen gehört, dass sie meine Kandidatur unterstützen.“

„Die Dezernenten werden hier nach Parteibuch besetzt und nicht nach Qualifikation“

Auch die FDP schickt mit Robert Seidler einen Anwalt ins Rennen. Ihm sei in den vergangenen Monaten der „Kragen geplatzt“, sagt Seidler. „Die Dezernenten werden hier nach Parteibuch besetzt und nicht nach Qualifikation. Ich kandidiere, um einen anderen Stil ins Rathaus zu bringen.“

Der Kandidat der CDU ist ein alter Hase, was das Osnabrücker Rathaus angeht. Wolfgang Griesert war nicht nur bis Ende Mai Stadtbaurat in Osnabrück, sondern trat bereits 2006 als OB-Kandidat an. Damals verlor er nur knapp in der Stichwahl gegen Pistorius. Beide konnten gut miteinander, und wer den 55-Jährigen über die Umwandlung früherer Briten-Kasernen in Wohnsiedlungen und Wissenschaftsparks sprechen hört, über kommunale Verschuldung oder die Finanzierung des defizitären Klinikums, fühlt sich leicht an den SPD-Politiker erinnert. „Wir haben uns beide fachlich geschätzt“, sagt Griesert. Selbst Kalla Wefel sagt: „Wenn er nicht in der CDU wäre, würde ich ihn sogar wählen.“ Griesert gilt als Favorit.

Neben Wefel tritt mit Hardy Schwetter alias Christian Steiffen ein weiterer Künstler an. Der 42-Jährige bezeichnet sich selbst als Poeten und Entertainer, der versuche, in der Form des Schlagers dem deutschen Chanson ein neues Gewand zu geben. Sein Interesse an der Politik sei echt, betont er. In eine Partei will er nicht. „Das sind ja genau die verkrusteten Strukturen, die ich versuche anzuprangern“, sagt Schwetter, der bewusst unter seinem Künstlernamen Steiffen antritt. Seine Kandidatur sieht er als ein Signal gegen Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit. „Die Resonanz, die ich von den Leuten kriege, ist doch ziemlich groß.“

dpa

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