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Niedersachsen Jens Nacke – der Wandlungsfähige
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19:09 13.03.2019
Kann auch ganz anders sein: Jens Nacke Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Wenn sich der 1,97-Meter-Mann von seinem Platz in der ersten Reihe des Landtages erhebt, verstummen die Gespräche am Nebentisch. Dann wird es still, steigt die Spannung. Kommt es jetzt wieder zum großen Knall? Hebelt einer mit einem geschickten Antrag die gesamte Tagesordnung des Parlaments aus? Holt einer die Keule hervor, oder zeigt sie nur – und die Regierung schweigt betroffen? So war es, noch vor eineinhalb Jahren, als Rot-Grün in Niedersachsen regierte. Trat Jens Nacke ans Rednerpult, stieg die Spannung merklich. Das ist auch heute noch so. Doch Rabatz wird von dem hünenhaften Ammerländer, der seit fast einem Jahrzehnt die christdemokratische Landtagsfraktion zusammenhält, nicht mehr erwartet. Aus dem einstigen Kettenhund der CDU ist eine Art Friedensrichter der Großen Koalition geworden. Eine erstaunliche Wandlung.

Jens Nacke war das Hassbild Nummer Eins“

„Neben Uwe Schünemann war tatsächlich das Hassbild Nummer Eins“, sagt Wiard Siebels. Als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD ist der 40-jährige Ostfriese das direkte Gegenüber des 47-jährigen Nacke. Anfangs sei er Nacke mit einer gewissen Reserviertheit begegnet. Jetzt attestiert der Ostfriese dem Ammerländer eine große Verbindlichkeit. „Man weiß, was er will oder auch nicht will.“ Das hilft in der Durchsetzung gemeinsamer Projekte – nicht immer zur Freude der Grünen, die seit knapp eineinhalb Jahren in der Opposition sitzen. „Wenn man früher sah, dass Jens Nacke seine Leute zusammenrief, dann haben wir gesagt: Oh, da braut sich etwas zusammen“, erinnert sich Anja Piel, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Die „Glaubwürdigkeit des großen Auftrittes“, merkt Piel spitz an, habe heute „etwas gelitten“. Mag sein, weil Nacke, der stets Spaß am Laientheater gehabt haben dürfte, heute ruhiger auftreten müsse, sagt Piel.

Oppositionelle haben über ihn geflucht, Richter sich vernehmbar geräuspert, wenn Nacke in seiner Kritik an der Justiz über die Stränge zu schlagen drohte. Aber die eigenen Leute trommelten auf ihre Pulte, wenn Jens Nacke im Landtag seinen großen Auftritt hatte. „Ich war überzeugt, dass die Fraktion im Jahr 2013 auseinander gefallen wäre, wenn wir nicht sofort nach der äußerst knapp verlorenen Wahl auf Angriff gegen Rot-Grün geschaltet hätten“, sagt der Parlamentstribun a. D. im Rückblick. Nur eine Stimme Mehrheit hatte Rot-Grün damals. Der entmachtete Ministerpräsident David McAllister . War sie doch als stärkste aus der Landtagswahl hervorgegangen, doch hatte die Macht verloren. Nackes Angriffe sortierten die Gefühlswelten.

Immer wieder blies der Anwalt, der zuvor recht umsichtig den Untersuchungsausschuss zum absaufenden Atomlager Asse geleitet hatte, zur Attacke. Rot-Grün startete mit einer Affäre um einen rückenkranken Staatssekretär, der einen dickeren Dienstwagen beanspruchte. Paschedag hieß der. Ein Fest für Nacke. Und mit der Zahl der Untersuchungsausschüsse und Staatsgerichtshofklagen, wuchs die Zahl seiner Gegner. Und die seiner Anhänger. Denn reden konnte der Ammerländer, der auf dem Abendgymnasium sein Abitur gemacht hatte, wie der Teufel. So, dass manche in den Regierungsparteien schon Angst bekamen. Denn er glaubte, was er vorne so eindringlich vorbrachte. „Ich würde nie nach vorne gehen, nur um einfach Stress zu machen“, sagt er selbst. Oppositionsparteien könnten nur wirken, wenn sie die Fehler der Regierung brandmarkten, sagt Nacke. Gefangene wurden bei ihm, der kürzlich im Ammerländer Karneval als Pirat auftrat, selten gemacht. Um im Bild zu bleiben.

Er kennt alle Tücken des Geschäfts

Im Bilde ist Nacke übrigens fast immer. „Den können Sie auch nachts wecken und er erklärt Ihnen alle Tücken der Geschäftsführung des Landtages“, sagt eine erfahrene Sozialdemokratin, die Nacke zu den Klügsten „im gegnerischen, o sorry, nein im Koalitionslager“ hält. Nacke selbst nimmt für sich in Anspruch schon zwei Jahre vor der letzten Landtagswahl den Gang etwas heruntergeschraubt zu haben, weil die CDU-Fraktion nach der verlorenen Landtagswahl ihr Selbstbewusstsein wieder erlangt habe. „Nur leider hat das niemand gemerkt.“ Na, vielleicht lag es ja doch an der beeindruckenden wie auch abschreckenden Angriffslust. Jetzt jedenfalls wird er immer staatstragender, zitiert gerne Winston Churchill („Demokratie ist sie Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen“) und setzt nicht selten die AfD matt. Zur Freude (fast) aller, die wie er Populisten überhaupt nicht mögen.

Jens Nacke wurde im September 1971 in Oldenburg. Er trat 1987 zum Ende seiner Realschulzeit in die Junge Union ein, dann in die CDU. Zwischen 1987 und 1990 machte er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Ammerland, wo er bis 1993 arbeitete. Nach dem Abitur am Abendgymnasium war er ein Jahr an der Butler University in den USA, studierte Jua in Münster. Nach dem 1. Juristischen Examen war er ein Jahr bei der Bundesmarine, dann 2002 legte er das Zweite Juristische Examen ab. Kurze Zeit war er selbstständiger Rechtsanwalt in Oldenburg, bis er 2003 in den Landtag kam. Seit 2010 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und blieb auch nach dem Regierungswechsel in diesem Amt. Über sein Privatleben redet er öffentlich nicht, nur so viel: er hat drei schulpflichtige Kinder, eine Partnerin und ist Protestant.

„Er ist durch und durch Parlamentarier, der seinen Job gut macht“, lobt FDP-CHef Stefan Birkner, einst Partner, heute Oppositioneller. „Er war einer, an dem man sich herrlich abarbeiten konnte“, sagt die Grüne Anja Piel. So fragen sich manche in der Opposition insgeheim, ob nicht irgendwann doch der Zeitpunkt kommen könnte, an dem die CDU ihren Vorkämpfer Jens Nacke wieder von der Kette lässt.

Von Michael B. Berger

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