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Niedersachsen Minister Althusmann fordert Informatik als Pflichtfach an Schulen
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18:17 09.07.2019
In Niedersachsen wird schon länger über Informatik als Pflichtfach diskutiert. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Hannover

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann hat eine „nationale Kraftanstrengung“ beim Thema Digitalisierung gefordert. Wenn Deutschland jetzt nicht aufpasse und aufhole, könne es im Wettbewerb der Länder den Anschluss verlieren, warnte der CDU-Landeschef am Dienstag in Hannover. „Das gilt nicht nur international, sondern auch in Europa.“ Länder wie Schweden, Estland oder Lettland seien um Jahre voraus. Auch Niedersachsen müsse massiv in die Digitalisierung investieren.

Althusmann: Informatik gehört in die Lehrpläne

Der flächendeckende Ausbau des schnellen Internets kommt nach Ansicht von Althusmann zwar gut voran, es mangele aber an Fachkräften für Informationstechnologie. Der Minister plädiert deshalb für ein Pflichtfach Informatik in den Schulen. „Es besteht kein Zweifel daran, dass in allen Bildungsgängen der Bundesrepublik Deutschland das Thema Informatik zwingend in den zukünftigen Lehrplänen ein höheres Gewicht haben muss. Das gilt für die weiterführenden Schulen ebenso wie für die Berufsausbildung als auch für das Studium“, sagte Althusmann.

Ein Problem sei derzeit allerdings noch, dass es nicht genug Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer gebe. „Das größte konjunkturelle Risiko für die Wirtschaft in Niedersachsen bleibt der Fachkräftemangel“, betonte Althusmann.

„Algorithmen kennen keine Barmherzigkeit“

Auch Gerhard Wegner vom Digitalrat Niedersachsen forderte: „Wir brauchen eine erhebliche Bildungsoffensive, wenn wir die Digitalisierung in Zukunft halbwegs beherrschen wollen.“ Das Expertengremium berät Althusmann beim Thema Digitalisierung. „Wir müssen den Maschinen sagen, was sie mit uns gemeinsam tun sollen. Algorithmen kennen keine Barmherzigkeit.“ Peter Leppelt vom Digitalrat forderte ebenfalls ein Pflichtfach Informatik. Sonst gebe es künftig keine mündigen Verbraucher und keine wettbewerbsfähige Wirtschaft mehr.

Jeder dritte Haushalt mit schnellem Internet

Althusmann sprach von einer Aufholjagd beim Ausbau des schnellen Internets und im Bereich Mobilfunk. Laut Breitbandatlas der Bundesregierung sind 37,4 Prozent der Haushalte in Niedersachsen inzwischen gigabitfähig. Damit belegt das Land Platz vier im Vergleich der Flächenländer. Rund 860 Schulen seien bereits am schnellen Netz. Die Region Hannover will bis 2021 alle Schulen mit Breitband versorgt haben. „Überall in Niedersachsen erhalten die Menschen derzeit einen schnellen Internetanschluss“, sagte Minister Althusmann. Wer mit offenen Augen durchs Land fahre, sehe viele offene Gräben für die Verlegung von Glasfaserkabeln.

Die Landesregierung aus SPD und CDU hatte im August 2018 den sogenannten Masterplan Digitalisierung beschlossen. Demnach soll bis 2021 ein lückenloses Mobilfunknetz im Land entstehen, bis 2025 sollen zudem alle Haushalte mit schnellem Internet versorgt sein. Dafür steht ab 2020 ein Sonderfonds von einer Milliarde Euro im Haushalt bereit.

Althusmann: Alle bürokratischen Auflagen aussetzen

Althusmann betonte, dass der Glasfaserausbau in Niedersachsen „höchste Priorität“ habe und künftig bei jedem Genehmigungsverfahren im Straßenbau mit bedacht werden müsse. Der Minister kritisierte, dass bürokratische Hürden einen schnelleren Ausbau verhindern würden. Er wünsche sich für Deutschland „das Aussetzen aller bürokratischen Auflagen für drei Jahre“.

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Von Marco Seng

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