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Niedersachsen Dönermord-Serie: Hinweise auf Komplizen in Niedersachsen
Nachrichten Politik Niedersachsen Dönermord-Serie: Hinweise auf Komplizen in Niedersachsen
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13:33 12.11.2011
Die Drahtzieher der mysteriöse Mordserie sollen einen Unterstützer aus Niedersachsen gehabt haben. Quelle: dpa
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Hannover/Zwickau

Die mutmaßlich rechtsextremistischen Drahtzieher der sogenannten Dönermord-Serie hatten einem Bericht des „Focus“ zufolge einen Unterstützer. Demnach hatte ein 37-Jähriger aus Niedersachsen den Verdächtigen vor Jahren gegen Geld seinen Personalausweis überlassen. Damit soll das Wohnmobil gemietet worden sein, in dem sich zwei Männer am 4. November bei Eisenach laut Polizei erschossen, nachdem sie zuvor eine Bank ausgeraubt hatten. Die beiden Männer werden mit den Morden in Verbindung gebracht.

Mit dem Ausweis des Helfers aus Lauenau bei Hannover hatten die Tatverdächtigen dem Magazinbericht zufolge schon im Jahr 2007 ein Wohnmobil gemietet. Damit waren sie unterwegs, als sie in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen haben sollen. Nach der Bluttat sollen sie mit dem Fahrzeug in eine Straßensperre geraten sein, sie wurden aber durchgelassen.

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Das Landeskriminalamt Niedersachsen wollte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht zu dem angeblichen Unterstützer äußern. Die Behörde verwies auf die Zuständigkeit des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen in dem Fall übernommen haben.

Der 37-Jährige soll wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben. Laut „Focus“ wurde er kurz nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und über Tage verhört. Für die Überlassung seines Ausweises, den er nicht als gestohlen meldete, soll er mindestens 20.000 Euro kassiert haben.

Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt wohl dieselbe Gruppe rechtsextremer Täter. Hinweise auf den Zusammenhang zwischen den Fällen fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem die mutmaßlichen Bankräuber und ihre Komplizin Beate Z. jahrelang unerkannt gelebt hatten. Die 36-Jährige, die sich später der Polizei stellte, soll in dem Versteck das Feuer gelegt haben, um Beweise zu vernichten.

Die Dienstwaffe der Heilbronner Polizistin wurde vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach entdeckt. In der zerstörten Wohnung des Trios fanden Ermittler die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Zudem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos, die sich auf eine Gruppe mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ beziehen und auf die Döner-Morde hinweisen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“. 1998 verschwand das Trio dann aber aus dem Blick der Verfassungsschützer.

dpa

11.11.2011
Michael B. Berger 10.11.2011