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Niedersachsen Einsturzgefahr
 der Asse war lange bekannt
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 der Asse war lange bekannt
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18:44 16.07.2009
Von Karl Doeleke
Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Laut dem Historiker Detlev Möller hat die Behörde in Clausthal-Cellerfeld bereits 1977 „schnellstmöglich“ ein Verfüllungskonzept für instabile Abbaukammern im Salzstock gefordert.

Tatsächlich wurde erst 1995 damit begonnen, die Abbaukammern zwischen der 490- und der 725-Meter-Sohle mit Salz zu verfüllen. Seit dieser Woche wird noch einmal nachgebessert. Das Landesumweltministerium hat am Mittwoch einem Antrag des Bundesamtes für Strahlenschutz zugestimmt, verbliebene Hohlräume mit salzhaltigem Magerbeton aufzufüllen. Die Einsturzgefahr des Salzbergwerks wäre laut Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) auch damit nicht gebannt: Die Verfüllung dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stabilität der Asse weiterhin „massiv gefährdet ist“, sagte Sander. In der Asse lagern 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Abfall.

Die Mantelschichten aus Salz auf der 511-Meter-Sohle, wo mittelaktiver Abfall lagert, könnten „im streng wissenschaftlichen Sinne nicht als dicht“ bezeichnet werden, hatte 1977 der Mitarbeiter des Bergamtes in einer Besprechung mit Vertretern des Bundesforschungsministeriums und der Gesellschaft für Strahlenforschung in Clausthal-Cellerfeld gewarnt. Möller hat die Niederschrift des Gesprächs in seiner Dissertation über die Endlagerung von Atommüll ausgewertet.

Der Historiker führt die heutigen Probleme auf Versäumnisse in der Vergangenheit zurück: „Hätte man früher mit der Verfüllung begonnen, wäre man heute nicht so sehr unter Zeitdruck“, sagte Möller dieser Zeitung. Man habe spätestens seit 1967 gewusst, dass Wasser in die Asse eindringt und dass sich die Abbaukammern bewegen. 1977 sei das Problem dann „verschärft auf’s Tableau“ gekommen, nachdem man festgestellt hatte, wie stark das Erdreich sich bewegt. „Man fragt sich, was in all den Jahren passiert ist“, sagt Möller.