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Niedersachsen Endlager-Zentrum gefordert - Bündnis gegen Atomkraft
Nachrichten Politik Niedersachsen Endlager-Zentrum gefordert - Bündnis gegen Atomkraft
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18:32 17.09.2010
Das Erkundungsbergwerk Gorleben Quelle: dpa
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Der niedersächsische CDU-Fraktionschef Björn Thümler hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) aufgefordert, ein Zentrum zur Atomendlager-Forschung in Niedersachsen einzurichten. „Das muss dringend hier entstehen“, sagte Thümler der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Hannover. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sprach sich dafür aus, die weitere Erkundung von Gorleben durch internationale Experten begleiten zu lassen. „Es muss größtmögliche Transparenz herrschen“, sagte McAllister der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ (Freitag).

CDU-Fraktionschef Thümler sagte, international renommierte Wissenschaftler sollten außer Salz jetzt auch andere Gesteinsformationen wie Granit und Ton untersuchen. „Wir dürfen nicht erst zehn Jahre abwarten.“ Auch die Endlagertechnik müsse erforscht werden. Der CDU-Politiker forderte, den hoch radioaktiven Atommüll so zu lagern, dass er wieder herausgeholt werden könne.

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Für die Bundesregierung scheint der Weg frei, um die Erkundung des Salzstocks Gorleben wieder aufnehmen zu können. „Zum 1. Oktober gibt es grünes Licht“, hatte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) gesagt. Die Behörden wollen die Genehmigung am kommenden Dienstag vorlegen. Bundespolitiker von CDU und SPD forderten bereits am Donnerstag, bei der Untersuchung des Bergwerks Kommunalpolitik und Öffentlichkeit stärker einzubinden.

Ein Bündnis aus Gewerkschaften und Umweltorganisationen forderte die Bundesregierung am Freitag in Hannover auf, die Verlängerung der Atomlaufzeiten zu stoppen. Das Netzwerk kritisierte, das Energiekonzept der schwarz-gelben Koalition bremse den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Das ist eine unverantwortliche Politik“, sagte der niedersächsische Verdi-Landesvorsitzende Siegfried Sauer am Freitag bei einer Fachtagung zur Atompolitik in Hannover.

Die atompolitische Sprecherin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen, Renate Backhaus, attackierte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU): „Für uns ist er nicht mehr tragbar.“ Zu dem Netzwerk gegen Atomkraft gehören in Niedersachsen neben Verdi, die IG Metall, politische Stiftungen, Greenpeace und der BUND.

In Gorleben wird überprüft, ob das Bergwerk für die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll geeignet ist. Dazu lässt das Bundesumweltministerium eine Sicherheitsanalyse erstellen. Fachleute sollen den Salzstock zunächst auf einer Strecke von rund drei Kilometern untersuchen. Teils müsse der Durchmesser eines Tunnels erweitert werden, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter. Auch eine Art brüchiges Gipsgestein, in das Wasser eingeschlossen sein kann, müsse genauer überprüft werden. Es sei aber bislang nicht klar, wann die ersten Bagger dort in der Tiefe loslegten.

Das Landesumweltministerium rechnet damit, dass die Erkundung fünf bis sieben Jahre dauert. Eine Enteignung von Grundstückeigentümern, um die Untersuchung des Salzstocks fortzusetzen, bezeichnete der Ministerpräsident David McAllister als „ultima ratio“ (letztes Mittel).

In Berlin werden an diesem Sonnabend Atomkraftgegner gegen die Politik von Schwarz-Gelb auf die Straße gehen. Auch Demonstranten aus Niedersachsen und Bremen wollen in die Bundeshauptstadt fahren.

dpa