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Niedersachsen Erste Wallfahrt von katholischen Sinti und Roma in Deutschland
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18:46 23.07.2009
Musiker ziehen bei der ersten Wallfahrt von katholischen Sinti und Roma zu einem Eröffnungsgottesdienst zur Wallfahrtskirche.
Musiker ziehen bei der ersten Wallfahrt von katholischen Sinti und Roma zu einem Eröffnungsgottesdienst zur Wallfahrtskirche. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Auf der Wiese neben der Kirche parken Wohnwagen, und als Gläubige am Donnerstagmittag die Marienstatue zum Gottesdienst in die Wallfahrtskirche tragen, fiedeln Musikanten eines Sinti-Orchesters - den Anstoß zu der Wallfahrt gab der bischöfliche Beauftragte für die katholischen Sinti und Roma im Bistum Hildesheim, Pfarrer Wolfgang Patzelt. Der Geistliche war jahrelang im Eichsfeld als Pfarrer tätig, seit sechs Jahren betreut er die Volksgruppen der Sinti und Roma im Bistum. Diese bezeichnen ihn als „Rashai“, als „Zauberer“, weil er als Pfarrer ihre Kinder und Wohnungen segnet. Er ist durch seine Tätigkeit selbst zum Reisenden geworden: „Ich fahre ständig zu den Familien und führe Gesprächen mit ihnen.“ Dabei sei er auch darauf angesprochen worden, warum es anders als in anderen Ländern in Deutschland keine Wallfahrt für Sinti und Roma gebe.

In Germershausen fand er sofort Unterstützung. Ein Jahr lang hat Patzelt die Wallfahrt gemeinsam mit dem Verein der Katholischen Sinti und Roma in Bremerhaven und vielen anderen Helfern vorbereitet. Nur ein Teil der Wallfahrer, die hauptsächlich aus Norddeutschland und Holland angereist sind, ist mit Wohnwagen gekommen. Viele sind in der Katholischen Bildungsstätte untergebracht. „Wir sind mit 70 Personen hier“, sagt Ilona Engelbert. Ihre Familie, die zur Volksgruppe der Sinti gehört, ist aus Stade und Bremerhaven angereist. Insgesamt sind sie mit acht Wohnwagen unterwegs. „Eine Wallfahrt ist was Schönes, da muss man dabei sein“, meint Marie Engelbert. Bislang hätten sie zu solchen Veranstaltungen immer in die Niederlande fahren müssen.

Zu der Eröffnungseucharistiefeier ist Bischof Martin Trelle persönlich aus Hildesheim gekommen. Auch viele Gemeindemitglieder aus Germershausen nehmen an dem Gottesdienst teil. „Sinti und Roma sind Menschen, die ein religiöses Leben haben, und sie sind liebenswerte Menschen“, sagt Pfarrer Wolfgang Patzelt in seiner Begrüßungsansprache. Aufgrund der Geschichte seien sie in Deutschland ein „beladenes Volk“. Bischof Trelle richtet herzliche Worte an die Glaubensbrüder und hält ein Plädoyer für Toleranz: „Die Vielfalt des Lebens ist immer auch die Vielfalt der Traditionen und Kulturen.“ Diese kulturelle Vielfalt gab es auch beim Gottesdienst: Dass dabei Sinti-Musik erklang, war in Germershausen auch eine Premiere.

von Heidi Niemann