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Niedersachsen Vier Jahre Oberstufe? Kultusministerium lehnt GEW-Vorschlag ab
Nachrichten Politik Niedersachsen Vier Jahre Oberstufe? Kultusministerium lehnt GEW-Vorschlag ab
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00:20 30.03.2019
Das Abitur wird nicht nur in der Prüfung entschieden – auch die Kurse in den Jahren davor spielen eine Rolle bei der Note. Quelle: dpa
Hannover

In der Debatte um zunehmende Durchfaller-Zahlen beim Abitur hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine flexible gymnasiale Oberstufe ins Gespräch gebracht. Das Abitur sollte in dieser Oberstufe nach zwei, drei oder vier Jahren möglich sein, skizzierte GEW-Bundesvorstandsmitglied Ilka Hoffmann. „Es gibt Schulen, die diese Flexibilisierung schon haben, etwa in Finnland, und dort sind die Schüler erfolgreicher“, sagte Hoffmann der HAZ.

Doch beim GEW-Verband Niedersachsen trifft diese Idee aus der Bundesebene auf Ablehnung. „Wir haben gerade die Umstellung von Abitur nach acht Gymnasialjahren (G8) auf neun Jahre in Niedersachsen. Jetzt über eine flexible Oberstufe zu diskutieren, ist falsch“, sagt Rüdiger Heitefaut, Geschäftsführer der Niedersachsen-GEW.

Abiturnoten driften stärker auseinander

Hoffmann argumentiert bei ihrem Vorschlag mit dem unterschiedlichen Lernstand der Schüler, der ein individuelleres Konzept ratsam erscheinen lasse. Auch an Gymnasien würden die Lerngruppen immer heterogener, drifteten die Abiturnoten immer stärker auseinander. Zudem gebe es große soziale Unterschiede in den Familien der Schüler, die man durch einen flexibleren Abiturtermin ausgleichen könnte. „Wir haben Familien, die viel Geld für Nachhilfe ausgeben und Familien, die kein Geld dafür haben.“ Der Vorschlag einer flexiblen Oberstufe sei nicht neu, werde aber wohl „einen langen Weg brauchen“, denn im Schulsystem gebe es ein großes Beharrungsvermögen, sagte das GEW-Bundesvorstandsmitglied.

In Niedersachsen dürfte der Weg der flexibleren Oberstufe schnell in ein Sackgasse führen, denn das Kultusministerium lehnt ihn nach Auskunft eines Sprechers „klar ab“. Das Abitur in Niedersachsen sei „gut aufgestellt und wir sehen keinen Änderungsbedarf“, heißt es. Dabei scheiterten im vergangenen Jahr an niedersächsischen Gymnasien, wo bisher das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt wurde, 4,85 Prozent der Schüler im Abitur, an den Gesamtschulen mit dem Abitur nach 13 Jahren waren es 8,48 Prozent.

Lesen Sie auch: Immer mehr Schüler scheitern am Abitur – vor allem in Niedersachsen

Niedersachsens Philologenverband hält gleich aus mehreren Gründen nichts von der flexiblen Oberstufe. So gefährde sie zum einen die Vergleichbarkeit des Abiturs, argumentiert Philologenchef Horst Audritz. Zudem sei das Abitur keine punktuelle Prüfung, sondern baue zu Zweidritteln auf den Vorleistungen in den vorangegangenen Semestern auf und habe „in sich“ eine gewisse Großzügigkeit. „Wer schneller Abitur machen will, kann die 11. Klasse überspringen, wer mehr Zeit braucht, kann freiwillig ein Jahr wiederholen – das ist kein Stigma.“ Ferner sei schon aus schulorganisatorischen Gründen eine Flexibilisierung schwer vorstellbar, sagt Audritz.

Nur die Grünen frohlocken

So sehen es auch Mareike Wulf, Schulexpertin der CDU, und Björn Försterling von der FDP. „Gerade aus Landessicht würde dieser Vorschlag viel Unruhe ins Schulsystem bringen“, fürchtet Wulf.

Offener zeigt sich Stefan Politze (SPD) an dieser Stelle: „So etwas sollte man diskutieren, aber nur auf lange Sicht.“ Begeistert ist hingegen Julia Willie Hamburg von den Grünen vom Vorschlag der Bundes-GEW: „Wir fordern das schon seit Langem, das Problem sind nur die engen Vorgaben der Kultusministerkonferenz.“

Von Michael B. Berger

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