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Niedersachsen Giftlauge verseucht erneut die Asse
Nachrichten Politik Niedersachsen Giftlauge verseucht erneut die Asse
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22:09 15.07.2009
Von Alexander Dahl
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Pro Liter Wasser wurden 121 Becquerel radioaktives Cäsium 137 und 27 000 Becquerel Tritium festgestellt. Beide Werte liegen laut BfS unter den Freigrenzen der Strahlenschutzverordnung; der Bereich wurde von der Bundesbehörde dennoch zu einem „strengen Strahlenschutzbereich“ erklärt. Die radioaktive Lauge stammt aus mittlerweile verschlossenen Hohlräumen im tiefen Bereich des Bergwerkes, in die der vorherige Betreiber, das Helmholtz Zentrum in München, zwischen 2005 und 2008 ohne Genehmigung belastete Salzlösung geleitet hat.

Da das Gestein in Bewegung ist und die Hohlräume zusammendrückt, wird die giftige Lauge nun ausgepresst. Das BfS ist damit beschäftigt zu verhindern, dass die Lauge in andere Bereiche der Asse läuft. Entsprechende Absperrmaßnahmen werde man einbauen, sagte der Präsident des BfS, Wolfram König. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hielt am Mittwoch bei der Vorstellung des BfS-Jahresberichts 2008 in Berlin den früheren Asse-Betreibern erneut schwere Versäumnisse vor. „Die Asse ist eines der schlimmsten Beispiele für verantwortungslosen Umgang mit dem Thema Atommüllendlagerung“, sagte Gabriel.

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Jetzt endlich werde das Bergwerk nach Atomrecht saniert. Zuvor galt lediglich das Bergrecht. Gabriel bedauerte, dass die hohen Kosten für die Sanierung nicht rückwirkend von den früheren Betreibern eingefordert werden können und regte in diesem Zusammenhang eine „Kernbrennstoffabgabe“ an, also eine Steuer auf Brennstäbe für Atomkraftwerke. Mit diesen Einnahmen soll unter anderem die Asse-Sanierung bezahlt werden. „Dies wird den Steuerzahler entlasten, für den die Bewältigung der Folgen des verantwortungslosen Umgangs mit Atommüll allein unzumutbar ist“, so der SPD-Politiker. Im CDU-geführten Bundesforschungsministerium wurden Gabriels Einschätzungen als „Wahlkampfgeklingel“ bezeichnet. In die Asse tritt schon seit Jahren etwa 12.000 Liter Wasser täglich ein.

Außerdem wurde seit Langem radioaktiv verseuchte Lauge in etwa 750 Metern Tiefe gemessen, die offenbar mit dem eingelagerten Atommüll in Kontakt gekommen ist, dessen Fässer möglicherweise durch Rost leck geworden sind. Im Bergwerk Asse wurden 126.000 Fässer mit schwachradioaktivem und 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll eingelagert. Manches wurde sorgfältig gestapelt, anderes einfach abgekippt.

Gabriel stellte am Mittwoch zugleich die neuen Kriterien eines Endlagers für hochradioaktives Material vor, die die von 1983 ablösen. Dies muss danach eine Million Jahre sicher sein und mehrfachen Schutz gegen den Austritt von Radioaktivität bieten. Gorleben bleibt laut Gabriel auch weiterhin auf der Liste möglicher Standorte, bis ein ergebnisoffenes Auswahlverfahren beendet ist.