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Niedersachsen Land will 2020 Plan zu Bienenrettung vorstellen – Naturschützern dauert das zu lange
Nachrichten Politik Niedersachsen Land will 2020 Plan zu Bienenrettung vorstellen – Naturschützern dauert das zu lange
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20:55 24.10.2019
Sie sind auf wenige Pflanzenarten spezialisiert – und damit anfällig für Veränderungen: Eine Wildbiene auf einer Blüte einer Magerwiesen-Margerite. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Hannover

Wenn es im Sommer in den Parks und Gärten weniger summt und brummt als früher, dann könnte das am Bienensterben liegen. Auch Hummeln und Schmetterlinge sieht man seltener von Blüte zu Blüte fliegen oder flattern. Insektizide, Klimawandel und weniger Blühflächen sind nur drei der Gründe für den Rückgang der Insektenpopulation.

Besonders betroffen sind die Wildbienen, von denen es im Norden etwa 350 Arten gibt – und die große Bedeutung für Ökosysteme haben, weil ihre Bestäubungsleistung zum Teil höher ist als bei der Honigbiene. Schon 2002 besagte eine „Rote Liste für gefährdete Arten“, das mehr als die Hälfte der Wildbienenarten in Niedersachsen vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind – wenn sie nicht schon ganz verschwunden sind. Als Gründe für den Rückgang gilt der Verlust von Nahrung, Nistplätzen, Überwinterungsmöglichkeiten und Nistbaumaterialien. Wildbienen sind bei der Nahrungssuche häufig auf wenige Pflanzenarten spezialisiert – und damit anfällig für Veränderungen.

Naturschützer stellen Regierung ein Ultimatum

Das Insektensterben hat nach Ansicht von Umweltschützern in Niedersachsen „dramatische Ausmaße“ angenommen – mit gravierenden Folgen für Vogelwelt, Kleinsäuger und zahlreiche durch Insekten bestäubte Pflanzenarten. Es bedohe ganze Ökosysteme dar und gefährdet die Lebensgrundlagen, sagen die Naturschutzverbänden BUND und Nabu. Sie fordern deshalb von der rot-schwarzen Landesregierung bis zum Jahresende konkrete Maßnahmen.

Die Regierung erarbeitet derzeit unter Federführung von Umweltminister Olaf Lies (SPD) ein „Aktionsprogramm Insektenvielfalt Niedersachsen“, dass sich in erster Linie an Landesbehörden und Kommunen richtet. Ziel sei es, ein gemeinsames Handlungsprogramm festzulegen, das zügig umgesetzt werden solle, erklärte das Umweltministerium. Das Programm soll im ersten Halbjahr 2020 vorgestellt werden.

Land plant für 2020 ein Aktionsprogramm

Der Landtag diskutierte am Donnerstag über das Insektensterben und verabschiedete am Ende einstimmig einen Antrag der großen Koalition zum Schutz der Wildbienen. „Wenn es Bund, Land und Kommunen gemeinsam gelingt, das Problem anzugehen, haben wir auch die Chancen, etwas zu erreichen“, sagte Lies. „Viele Punkte haben wir schon angegangen.“

„Wirkungslose Augenwischerei

Der Antrag von SPD und CDU beschränke sich auf Prüfaufträge und unverbindliche Anregungen, kritisierten die Naturschutzverbände. „Die wenigen Maßnahmen sind wirkungslose Augenwischerei und werden das dramatische Artensterben weder bremsen und schon gar nicht stoppen können“, sagte Heiner Baumgarten, Vorsitzender des BUND Niedersachsen. Bereits im August hatten Nabu und BUND einen umfassenden Forderungskatalog für Insektenschutz und Artenvielfalt an Regierung und Fraktionen geschickt. „Von zentraler Bedeutung ist eine Wende in der Landnutzung, hin zu mehr Lebensraum- und Strukturvielfalt und deutlich weniger Einsatz an chemisch-synthetischen Pestiziden“, erklärte Nabu-Landeschef Holger Buschmann.

Schottergärten in der Kritik

Im Landtag kritisierten vor allem die Grünen die Pläne der Koalition. Niedersachsen habe bereits eine Bauordnung, die es verbiete, Flächen zu versiegeln, sagte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer. Man müsse sie nur umsetzen. Der CDU-Politiker Uwe Dorendorf bezeichnete Schottergärten als „Gärten des Schreckens“.

In Niedersachsen wollen die Naturschutzverbände nach eigenem Bekunden für ein breites gesellschaftliches Bündnis werben, dass die Forderungen für mehr Insektenschutz und Artenvielfalt mitträgt. Auch ein Volksbegehren in Niedersachsen hatten die Naturschützer bereits ins Spiel gebracht. Konkret ist das aber noch nicht.

Mehr Grünflächen, weniger Pestizide: Das Aktionsprogramm des Landes

Verschiedene Punkte des Aktionsprogramms sind nach Angaben des Umweltministeriums bereits in Angriff genommen. So gebe es eine Informationsbroschüre mit Handlungsempfehlungen zur Förderung der Insekten, die sich sowohl an Kommunen als auch an alle Bürger wendet. Das Ministerium will die Bauaufsichtsbehörden per Runderlass nochmals ausführlich über die derzeit geltende Rechtslage zu informieren, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssen.

Ein Grobkonzept für einen Biotopverbund sei bereits im Entwurf des niedersächsischen Landschaftsprogramms angelegt, hieß es. Die Verfügbarkeit von Flächen müsse aber noch geprüft werden. Das Land will auch prüfen, die Aussaat von Blühstreifen zu unterstützen. Beim Thema Glyphosat verweist die Regierung darauf, dass das Bundesumweltministerium bereits ein Aktionsprogramm Insektenschutz“ beschlossen hat, das unter anderem strengere Regeln für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vorsieht.

Volksbegehren für Bienen in Bayern erfolgreich

In Bayern war ein Volksbegehren zur Rettung der Bienen mit 1,7 Millionen Unterschriften erfolgreich und ist seit einigen Wochen auch Gesetz. In Baden-Württemberg läuft ebenfalls ein Volksbegehren, das aber selbst bei den Grünen umstritten ist, weil es so starke Einschränkungen beim Einsatz von Pestiziden fordert, dass auch Biobauern betroffen wären.

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Von Marco Seng

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