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Niedersachsen „Das Urteil ist eine gefährliche Aushöhlung des Gewaltmonopols“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Das Urteil ist eine gefährliche Aushöhlung des Gewaltmonopols“
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00:19 01.04.2019
Fanforscher Gunter A. Pilz: „Deeskalation ist immer das Gebot der Stunde.“ Quelle: imago
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Hannover

Fanforscher Gunter A. Pilz warnt davor, das Gewaltmonopol des Staates auszuhöhlen – und plädiert stattdessen für mehr Deeskalation rund um die Fußballspiele.

Herr Pilz, das Bundesverwaltungsgericht hat
Gebühren für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen grundsätzlich für verfassungskonform erklärt
. Glauben Sie, dass es zur Befriedung der Lage beitragen könnte, wenn die Vereine die Polizeieinsätze bezahlen müssten?

Nein überhaupt nicht. Ich sehe in dem Urteil eine gefährliche Aushöhlung des staatlichen Gewaltmonopols. Die Frage stellt sich auch, ob die Polizeieinsätze, die bisher gefahren worden sind, mit ihrem großen Aufwand und der Polizeistärke wirklich zielführend waren und sind. Wir haben in Hannover mit dem Einsatz von Konfliktmanagern bei Hochrisikospielen die Erfahrung gemacht, dass man mit weit weniger Polizei auskommen kann. Mit vielleicht 400 statt 1200 Beamten.

Das heißt zur Lösung des Problems von aggressiven Fans ist ihrer Meinung nach Abrüstung geboten?

Auf jeden Fall. Deeskalation ist immer das Gebot der Stunde. Das muss auch die Polizei nach einem Verfassungsgerichtsurteil berücksichtigen. Es ist immer die Frage der Verhältnismäßigkeit zu beachten. Wenn beispielsweise bei Gewalttätigkeiten im Stadion die Polizei reingeht, wird der Konflikt eher größer. Die Gleichung mehr Polizei gleich mehr Sicherheit ist noch nie aufgegangen. Wenn jetzt der DFL die Gebühren bezahlen müsste, was noch nicht endgültig gerichtlich geklärt ist, könnte auch die Frage an die Polizei zurück gestellt werden: Sind solche massiven, teuren Einsätze wirklich nötig? Wenn die Vereine zahlen sollten, könnten sie auch diese Frage stellen.

Im europäischen Ausland wie in England oder Frankreich beteiligen sich die Vereine an den Kosten. Warum halten Sie dieses Modell nicht für übertragbar auf Deutschland?

Weil wir dort völlig andere Strategien und Strukturen haben. So gehört etwa in Frankreich der gesamte Sport dem Innenministerium. Wenn die Politik einen neuen Ministerpräsidenten hat, dann wechselt auch der Präsident des Fußballverbandes. Bei uns ist eine klare Trennung, die Vereine sorgen mit ihren Ordnungsdienst im Stadion für die Ordnung. Wenn aber außerhalb des Stadions Probleme auftauchen, dann kann man sie nicht den Vereinen in Rechnung stellen.

Von Michael B. Berger

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