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Niedersachsen Katharina Nocun aus Osnabrück ist neue Piraten-Geschäftsführerin
Nachrichten Politik Niedersachsen Katharina Nocun aus Osnabrück ist neue Piraten-Geschäftsführerin
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19:03 10.05.2013
Die 26-jährige Katharina Nocun ist neue Parteimanagerin der Piraten.
Die 26-jährige Katharina Nocun ist neue Parteimanagerin der Piraten. Quelle: dpa
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Neumarkt

Mit der Studentin Katharina Nocun (26) als neuer Geschäftsführerin wollen die Piraten doch noch den Einzug in den Bundestag schaffen. Die Datenschützerin aus Niedersachsen wurde am Freitag auf einem Parteitag im bayerischen Neumarkt mit 87,1 Prozent zur Nachfolgerin des in der Partei umstrittenen Johannes Ponader gewählt. Die Internet-Partei kämpft seit Monaten mit internen Querelen und ist mit aktuell zwei Prozent weit von ihren einst zweistelligen Zustimmungswerten entfernt.

In Neumarkt gab ein Mitglied auf offener Bühne seinen Wechsel zur Anti-Euro-Partei AfD bekannt. Am Wochenende wollen die Piraten ihr Wahlprogramm beschließen.

Nocun gab sich kämpferisch: „Wir müssen als Team verdammt noch mal zusammenarbeiten, die anderen vor uns hertreiben, denn sie haben es verdient.“ Die Partei müsse sich nun „den Arsch aufreißen“. Sie wolle von keinem Piraten mehr hören, „dass wir die Bundestagswahl nicht wuppen können“. Nocun selbst kandidiert in Niedersachsen auf Listenplatz 2 für den Bundestag. Sie setzte sich gegen vier Kandidaten durch und erhielt im ersten Wahlgang 796 von 974 Stimmen. Allerdings können Piraten mehrere Stimmen pro Wahlgang abgeben.

Zu einem kleinen Eklat kam es, als Christian Jacken, ein Kandidat für den Geschäftsführer-Posten, am Rednerpult erklärte, er sei zur Alternative für Deutschland (AfD) gewechselt. Er müsse dies tun, damit das „Euro-Betrugssystem“ beendet werde. Die über 1000 Mitglieder quittierten das mit Buh-Rufen. Piraten-Chef Schlömer sieht in der AfD grundsätzlich aber keine direkte Konkurrenz. „Die Piraten schauen nach vorne, die AfD nach hinten.“.

Ponader entschuldigte sich bei seiner Partei. Der Berliner, dem Alleingänge und mangelnde Kommunikationsfähigkeit angekreidet wurden, sagte: „Wo ich etwas falsch gemacht habe, da möchte ich euch um Entschuldigung bitten.“ Der 36-Jährige warnte davor, die Partei hierarchisch zu führen. „Die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke, selbstbewusste Bewegung.“ Auch könnten die Piraten nicht aus der Krise kommen, wenn „wir statt Debatten Shitstorms auslösen.“ Ponader will jetzt wieder Basisarbeit machen.

Der bayerische Spitzenkandidat Bruno Gert Kramm sagte, die Piraten würden gebraucht, um „Filz und Lobby“ bei den etablierten Parteien anzuprangern. Er verwies auf die Verwandtenaffäre bei der CSU. „Wer wie die bayerischen Landesfürsten nur die eigene Familie mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ausstattet, zeigt die Abgründe des eigenen Demokratieverständnisses.“

Der einflussreiche Berliner Abgeordnete Christopher Lauer kritisierte aber auch die Attacken gegen den eigenen Vorstand. „Wir müssen ein Klima hinbekommen, damit das Gremium mehr Unterstützung bekommt“, sagte er.

Die Piraten sind in Umfragen erheblich abgesackt. Anfang des Jahres scheiterten sie bei der Landtagswahl in Niedersachsen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Das droht der jungen Partei, die sich für freies Internet, mehr Bürgerrechte und soziale Teilhabe einsetzt, auch am 22. September auf Bundesebene.

In Neumarkt in der Oberpfalz wollen viele Piraten auch die Weichen für mehr „Online-Demokratie“ stellen. So könnte eine „ständige Mitgliederversammlung“ (SMV) im Netz aufgebaut werden, wo die Mitglieder permanent den Kurs der Partei bestimmen sollen. Eine Mehrheit dafür galt aber als offen.

Katharina Nocun bei Twitter

dpa

10.05.2013
Bärbel Hilbig 10.05.2013