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Niedersachsen Keine Schwulen im Sexualunterricht?
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21:38 18.09.2014
Von Michael B. Berger
CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock hat sich zum Thema Homosexualität in Schulen geäußert – und bekam Dutzende Beschwerdebriefe. Quelle: Daniel Bockwoldt (Symbolfoto)
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Hannover

Veröffentlicht hat ihn die „Nordwestzeitung“, und seitdem ringt Bertholdes-Sandrock um die Deutung der verhängnisvollen Worte.

„CDU-Abgeordnete warnt vor Homosexuellen an Schulen“, titelte „Spiegel online“ – eine Schlagzeile, die auch in der CDU-Fraktion nicht nur Liebhaber finden dürfte. Die Häme war mit Händen zu greifen. Aha, endlich outet sich mal eine wackere Konservative und attackiert die möglichen Verführer, die die rot-grüne Landesregierung jetzt per Entschließungsantrag in den Sexualkundeunterricht an niedersächsischen Schulen schleusen will, dachte mancher. „Das ist nur noch abenteuerlich, die CDU muss sich sofort distanzieren“, schäumte SPD-Landtagsfraktionschefin Johanne Modder.

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Bertholdes-­Sandrock fühlt sich komplett missverstanden. „Es geht nicht um die Frage, ob Schwule oder Lesben Lehrer werden können.“ Sie habe sich nur dagegen gewandt, dass Rot-Grün auch externe Gäste im Unterricht auftreten lassen wolle, die etwa über persönliche Erfahrungen mit Diskriminierungen berichten sollten. Bertholdes-Sandrocks Kritik richtet sich gegen den Plan, diese Besuche ohne Lehrer zu gestalten. „Wenn man auswärtige Gäste im Unterricht auftreten lässt, muss sichergestellt sein, dass ein Lehrer dabei ist“, findet sie. Solche Besuche müssten pädagogisch vor- und nachbereitet werden, gleich ob es sich um Vertreter politischer Parteien, der Bundeswehr oder eben Schwule oder Lesben handele. Sonst überfordere man die Jugendlichen. Diese Erkenntnis habe sie in 20-jähriger Arbeit als Studienrätin am Lüchower Gymnasium selbst gewonnen.

Auf dem Kieker hat die Christdemokratin die Initiative „SchLau Niedersachsen“. Sie lässt Schwule, Lesben oder Menschen mit anderen Lebensweisen vor Jugendlichen auftreten und über ihre Erfahrungen mit der Gesellschaft reden. „Das funktioniert natürlich nur, wenn kein Lehrer dabei ist“, meint FDP-Schulexperte Björn Försterling, der vor falschen Tönen in der Debatte um die schulische Sexualerziehung warnt: „In so einer Doppelstunde wird jedenfalls nicht allen der Kopf verdreht.“ Heute befasst sich der Kulturausschuss mit der Sache.

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