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Niedersachsen Klappe halten, Merkel kommt
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22:15 19.08.2011
Nach einer knappen Stunde ist die Rede der Kanzlerin beendet, Merkel wird freundlich verabschiedet und reist zügig weiter. Quelle: dpa
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Hameln

Nicht nur gute Politik sei wichtig, betont McAllister vor rund 600 Delegierten und Gästen. Ebenso wichtig sei es, diese Inhalte den Menschen auch sorgfältig zu erläutern: „Über die Zukunft Europas dürfen nicht nur einige wenige nachts in Brüssel diskutieren.“ Das gehe nicht zuletzt auch die CDU als Partei etwas an, fügt er hinzu – und erntet Applaus.

Den Namen Merkel, die zu dieser Zeit noch auf der Anreise nach Hameln ist, erwähnt der Ministerpräsident zwar nicht. Aber er lobt den früheren Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer, der die Kanzlerin just an diesem Tag per Zeitungsinterview für die Kommunikationspannen direkt verantwortlich gemacht hatte. Wenig später empfiehlt McAllister der Bundespartei, den Bundesparteitag im Herbst nicht wie geplant der Bildungspolitik zu widmen, sondern den grundsätzlichen Kursbestimmungen in der CDU. „Es gibt einen großen Bedarf an Erklärungen in der Partei.“

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Der Beifall ertönt oft und wohlwollend, die Stimmung bei den CDU-Delegierten ist offensichtlich entspannt und gemütlich. McAllister, der seinen Rechenschaftsbericht eher lustlos begonnen hatte („Ich unterhalte Sie jetzt so lange, bis die Kanzlerin in Hameln angekommen ist“), erhöht sein Vortragstempo immer mehr, wird kämpferischer und lauter. Am leidenschaftlichsten wirkt der Regierungschef, als er sich vom „gewöhnungsbedürftigen Berliner Politikbetrieb“ abgrenzt und diesem die „Erfahrungen aus Niedersachsen“ gegenüberstellt: „In der Politik sollte man nicht jeden Tag seinen Senf absondern, sondern auch mal die Klappe halten.“

Den stärksten Beifall jedoch erntet der Ministerpräsident, als er sich mit dem Gedenken an den Mauerbau beschäftigt und in deftigen Worten auf Teile der Linken schimpft, die immer noch Worte der Rechtfertigung für die SED-Diktatur fänden. „Wir dürfen uns 2011 nicht jeden Bullshit von den Linken gefallen lassen“, ruft McAllister in den Saal und sagt kurze Zeit später: „Es ist zum Kotzen, dass unsere Bundeshauptstadt Berlin immer noch von den Kommunisten regiert wird.“ Das kommt an, Jubel brandet auf – und als wenig später die Kanzlerin erscheint, sind die Delegierten vorgewärmt und aufgemuntert. Sie bereiten Angela Merkel einen netten, freundlichen Empfang. Zwar wird die Kanzlerin in ihren langen Ausführungen über die Energiepolitik, über die Geschichte der EU und über die schnelllebige Zeit nur selten von Beifall unterbrochen. Aber wenn, dann ist der Applaus durchaus kräftig. Das gilt selbst dann, wenn Merkel Wünsche nach neuen parteiinternen Debatten etwa über die Wehrpflicht eine Absage erteilt: „Dazu gibt es doch schon Beschlüsse.“

Nach einer knappen Stunde ist die Rede der Kanzlerin beendet, Merkel wird freundlich verabschiedet und reist zügig weiter. Wie überhaupt der Parteitag in großer Eile vonstatten geht – die Politiker sind im Wahlkampfstress.

Klaus Wallbaum