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Niedersachsen Kommentar zur CDU: Das Ende der letzten Volkspartei
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Kommentar zur CDU und Niedersachsen nach der Bundestagswahl

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21:00 27.09.2021
Bernd Althusmann, Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen, kommt am Montag zu den Gremiensitzungen der Partei nach der Bundestagswahl 2021 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin an.
Bernd Althusmann, Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen, kommt am Montag zu den Gremiensitzungen der Partei nach der Bundestagswahl 2021 im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin an. Quelle: Peter Kneffel/dpa
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Hannover

Die Bundestagswahl ist in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur: Sie beendet möglicherweise das Zeitalter von Zweierbündnissen und klaren Regierungsaufträgen für eine Partei. Der wichtigste Einschnitt dürfte aber das vermutliche Ende der CDU als Volkspartei sein. Die Christdemokraten sind durch den Absturz am Sonntag da angekommen, wo sich die andere einstige Volkspartei SPD schon länger tummelt. Irgendwo bei 20 Prozent plus oder minus x. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft, an die sich andere europäischen Länder längst gewöhnt haben, ist damit auch Deutschland vollzogen.

Es war ein Absturz mit Ansage und langem Anlauf. Die CDU hat in der Ära Merkel zwar die Macht gefestigt, dafür aber ihren politischen Kompass verloren – und teilweise auch das Gefühl für die Zeit und die Menschen. Wofür steht die Partei heute eigentlich genau? Was ist ihr Markenkern? Auf diese Fragen, die man sich bei der SPD schon länger stellt, fällt auch bei den Christdemokraten die Antwort zunehmend schwer.

Falsche Kandidaten

Nach außen wurde der Niedergang sichtbar, als sich Merkel 2018 vom Bundesvorsitz verabschiedete. Weil die CDU keinen geeigneten Nachfolger aufgebaut hatte, wurde die Stelle quasi ausgeschrieben – und gleich zweimal innerhalb von zwei Jahren mit falschen Kandidaten besetzt. Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich genauso als Fehlgriff erwiesen wie ihr Nachfolger Armin Laschet. Und immer hatte man den Eindruck, es gehe vor allem darum, Friedrich Merz zu verhindern. Und später, als es um die Kanzlerkandidatur ging, dann eben CSU-Chef Markus Söder.

Armin Laschet, Bernd Althusmann und Tilman Kuban (Mitte, von rechts) beim gemeinsamen Wahlkampftermin auf dem einstigen Expo-Gelände. Quelle: Samantha Franson (Archiv)

Auch Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann muss sich die Frage gefallen lassen, warum er Laschet gegen den Willen der eigenen Basis mit durchgedrückt hat. Die übergroße Mehrheit der Deutschen wollte den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nicht haben. Söder war nach allen Umfragen der Kandidat mit den besseren Aussichten. Die SPD war mit der Nominierung von Olaf Scholz schlauer und erfolgreicher.

Gegenwind für Althusmann?

Auch Althusmann könnte jetzt Gegenwind aus den Kreisverbänden in Niedersachsen bekommen. Zumal die Verluste von Direktmandaten wie in Hannover und der mäßige Erfolg bei den Stichwahlen in den Kommunen die Partei ebenfalls schmerzen dürften. Ob daraus am Ende ein Sturm wird, hängt sicher auch von der weiteren Entwicklung der CDU auf Bundesebene ab. Für die Landtagswahl im kommenden Oktober lässt sich daraus noch keine negative Prognose für die Partei ableiten. Dafür ist es einfach zu früh.

Auf Bundesebene muss die CDU jetzt Konsequenzen aus dem historischen Debakel ziehen und sich mit neuer Führung in der Opposition regenerieren. Armin Laschet hat am Sonntag keinen Regierungsauftrag bekommen. Auch seine kurze Zeit als Parteichef könnte bald abgelaufen sein.

Von Marco Seng