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Niedersachsen Noch eine Chance für Schünemann
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00:40 23.09.2013
Von Klaus Wallbaum
Banges Warten auf das Endergebnis: Die Kontrahenten um die Landratswahl in Hameln, Tjark Bartels (li.) und Uwe Schünemann, müssen in die Stichwahl. Quelle: Pollock
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Hannover

Es sind mehr als 25 Jahre, in denen die SPD im Kreis Hameln-Pyrmont den Landrat gestellt hat. Ob es auch künftig so sein wird, steht nun auf einmal in Frage. Der Landratskandidat der CDU, Niedersachsens früherer Innenminister Uwe Schünemann, hat nämlich im ersten Wahlgang überraschend gut abgeschnitten. Der Jurist Tjark Bartels (SPD) liegt etwa gleichauf mit seinem prominenten Mitbewerber von der CDU. Beide müssen nun am 6. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Für die SPD ist das in dieser Gegend, die als sozialdemokratisch gilt, ein Tiefschlag. Schünemann nahm das Resultat am Sonntagabend gleichwohl gedämpft entgegen: „Das ist noch kein Erfolg, sondern erst einmal nur eine gute Grundlage für die Stichwahl in zwei Wochen.“ Zur Zurückhaltung hat der Christdemokrat allen Grund, denn SPD und Grüne arbeiten im Kreis Hameln-Pyrmont seit vielen Jahren eng zusammen. So betonte der unterlegene Grünen-Kandidat Torsten Schulte, der auf Rang drei gelandet war, seinen Anhängern empfehle er für den 6. Oktober die Wahl des Sozialdemokraten. Wenn die Wähler sich daran halten, kann eine rot-grüne Mehrheit einen Erfolg Schünemanns am Ende noch verhindern. SPD-Mann Bartels erklärte, er sehe der Stichwahl „entspannt“ entgegen.

In Osnabrück könnte der CDU jetzt ebenfalls ein rot-grünes Bündnis vor der Stichwahl Probleme bereiten. In der viertgrößten Stadt des Landes, die seit 1991 einen sozialdemokratischen Oberbürgermeister hat, liegt nun der CDU-Bewerber Wolfgang Griesert klar vorn, der Abstand zur SPD-Kandidatin Birgit Bornemann ist zweistellig. Ob hier Rot-Grün für Bornemann mobilisieren kann? Bei der OB-Wahl im Jahr 2006 hatte Griesert im ersten Wahlgang schon einmal die meisten Stimmen gehabt, damals ging er in die Stichwahl gegen seinen SPD-Herausforderer Boris Pistorius, den heutigen Innenminister. Der zweite Wahlgang brachte damals für den Sozialdemokraten den Durchbruch.

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In Wolfenbüttel wurde wochenlang die CDU-Bewerberin Barbara Thiel als Favoritin betrachtet, doch die SPD-Gegenkandidatin Christiana Steinbrügge trat im Wahlkampf wortgewandt und überzeugend auf. Sie überholte Thiel und wird neue Landrätin – als Nachfolgerin von Jörg Röhmann (SPD), der zum Sozial-Staatssekretär aufgestiegen ist. In Goslar schaffte Amtsinhaber Oliver Junk von der CSU souverän den Sieg mit mehr als 90 Prozent. Das war wenig überraschend, zumal SPD, Grüne und FDP in der Heimatstadt von SPD-Chef Sigmar Gabriel keine eigenen Bewerber aufgestellt hatten.

Im Kreis Wesermarsch, einer langjährigen SPD-Hochburg, gab es eine faustdicke Überraschung. Die Sozialdemokraten präsentierten Stefan Kühn, den Wuppertaler Sozialdezernenten, doch der unterlag deutlich. Neuer Landrat wird der von der CDU nominierte parteilose Thomas Bruckmann, bisher Bürgermeister von Ovelgönne. Neben den Christdemokraten hatten ihn auch FDP und Wählergemeinschaft unterstützt. Als am Abend die Nachricht von Brückmanns Erfolg durchsickerte, wurde das in der CDU frenetisch gefeiert – auch, um sich von anderen mageren Resultaten bei den Direktwahlen abzulenken. Im Kreis Osterholz etwa schaffte der SPD-Bewerber Bernd Lütjen souverän einen Sieg mit knapp 57 Prozent im ersten Wahlgang. Die Wahl wurde erforderlich, weil Landrat Jörg Mielke zum Chef der Staatskanzlei aufgestiegen war.

Im Kreis Northeim hat der CDU-Bewerber, Bernd von Garmissen, kaum eine Chance. Der amtierende Landrat Michael Wickmann (SPD) holt mit Abstand die meisten Stimmen, verfehlte die 50 Prozent allerdings knapp. In die Stichwahl geht er als klarer Favorit. In mehreren Kommunen stehen nun Stichwahlen an – und das kann Probleme bei der Mobilisierung bedeuten. In allen Fällen wurde nämlich der 6. Oktober festgelegt. Dieses Datum fällt aber auf den Beginn der Herbstferien und markiert das Ende eines längeren Wochenendes. Die Gefahr besteht, dass die Wahlbeteiligung im zweiten Durchgang extrem schwach ausfällt.

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