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Niedersachsen „Mit 180 gegen die Wand“: Niedersachsens Unternehmer schlagen Alarm
Nachrichten Politik Niedersachsen „Mit 180 gegen die Wand“: Niedersachsens Unternehmer schlagen Alarm
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06:58 15.08.2019
„Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist nicht Gott gegeben“: Ein Bauarbeiter in Hannover. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Hannover

Alarmsignale aus der deutschen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpft, die exportorientierte Industrie steckt im Abschwung, in einigen Branchen droht Kurzarbeit. Auch in Niedersachsen korrigieren viele Unternehmen ihre Erwartungen nach unten. Die Arbeitgeberverbände sprechen von einer großen Verunsicherung: die Krise in der Automobilindustrie habe bereits auf zahlreiche andere Branchen übergegriffen.

Das Statistische Bundesamt teilte am Mittwoch mit, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft sei. Zum Jahresanfang war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen. Auch die Aussichten für die kommenden Monate haben sich eingetrübt. Vor allem der Außenhandel wird schwächer.

Als Gründe für den Abschwung wurden die Abkühlung der Weltwirtschaft, die Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China, die Unwägbarkeiten des Brexits sowie die Probleme der Autoindustrie durch die Umstellung auf Elektromobilität genannt.

Althusmann: „Wir befinden uns nicht in einer Krise

Die Politik reagierte betont gelassen auf die Zahlen. Die Bundesregierung sehe keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen, die die Konjunktur stabilisierten, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht keine Grund zur Panik. „Wie im übrigen Bundesgebiet, müssen wir auch in Niedersachsen mit einer leichten konjunkturellen Abschwächung rechnen“, sagte Althusmann der HAZ. „Wir befinden uns nicht in einer Krise, der Druck auf den Wirtschaftsstandort Deutschland ist aber zweifellos gestiegen.“

Die niedersächsische Wirtschaft warnte indes vor einem dauerhaften Abschwung. „Die fetten Jahre in Deutschland sind vorbei“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt, der HAZ. „Wir verzeichnen eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Kurzarbeit. Auch die Zahl der Firmen, die bereits in Kurzarbeit sind, steigt.“ Laut Schmidt hat die Krise in der Automobilindustrie auf zahlreiche andere Branchen übergegriffen – besonders auf die chemische Industrie und den Maschinenbau.

Arbeitgeber fordern Steuerreform und Bürokratieabbau

„Das Land fährt demnächst mit 180 gegen die Wand“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller. In Deutschland werde nur noch über Verbote und Einschränkungen geredet. Die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sei aber nicht Gott gegeben. Dafür brauche man Rahmenbedingungen. Müller forderte unter anderem eine große Steuerreform, mehr staatliche Investitionen in die Digitalisierung und eine Senkung der Energiepreise.

„Unsere aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass immer mehr Unternehmen ihre Erwartungen für die nächsten Monate nach unten korrigieren und Investitions- und Personalplanungen auf den Prüfstand stellen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen, Horst Schrage. „Anders als in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 wird hier Kurzarbeit allein nicht helfen können, wir brauchen stabilere Rahmenbedingungen im In- und Ausland, steuerliche Anreize für Investitionen und Bürokratieabbau für den Mittelstand.“

Von Marco Seng

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