Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Verseuchtes Wasser versickert jahrelang in der Grafschaft Bentheim
Nachrichten Politik Niedersachsen Verseuchtes Wasser versickert jahrelang in der Grafschaft Bentheim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:49 29.07.2019
Beim Betrieb der Wintershall Holding an der deutsch-niederländischen Grenze in Emlichheim bei Nordhorn ist verschmutztes Restwasser im Erdreich versickert. Quelle: Friso Gentsch/dpa
Anzeige
Hannover

Kontaminiertes Wasser ist über Jahre in einem Erdölbohrloch in der Graschaft Bentheim unkontrolliert in der Erde versickert. Ursache war ein marodes Rohr, durch das das sogenannte Lagerstättenwasser wieder in große Tiefen verbracht werden sollte. Das Aufsicht führende Landesbergamt (LBEG) bezifferte die Menge des zwischen Januar 2014 und 2018 versickerten Wassers auf 140.000 bis möglicherweise 220.000 Kubikmeter. „Das ist etwa ein Siebtel des hannoverschen Maschsees“, erklärte LBEG-Sprecherin Heinke Traeger. Eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung liege aber nicht vor.

Restprodukt der Erdölförderung

Lagerstättenwasser entsteht bei der Förderung von Erdöl. In dem ausgetretenen Wasser befinden sich nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums außer gelösten Salzen und Kohlenwasserstoffen auch geringe Mengen Schwermetall wie Strontium und Barium. Die Leckage, über die das Wirtschaftsministerium am Montag eine breitere Öffentlichkeit informierte, ist im Januar 2019 an der Bohrstelle Emlichheim 132 in der Grafschaft Bentheim entdeckt worden. Hier fördert die Firma Wintershall Dea durch sogenannte Einpressbohrungen Öl. „Es tut uns leid, was dort passiert ist, aber es gibt nach unabhängigen Messungen keine Gefahr für Menschen, Tiere oder Pflanzen“, sagte Unternehmenssprecher Heinz Oberlach der HAZ.

49 Wasserproben entnommen

Die Menge des versickerten Wassers wurde durch eine erste Gefahrenabschätzung ermittelt, die die Öl- und Gasproduktionsfirma in Auftrag gegeben hat. Sie hatte die Korrissionschäden an den Rohren bei Wartungsarbeiten festgestellt. Anfang Juli habe man ausführlich über die Leckage informiert, 49 Wasserproben aus der Nähe der zwei schadhaften Einpressbohrungen genommen sowie Sediment- und Wasserproben der tieferen Schichten in Auftrag gegeben. „Das salzhaltige Lagerstättenwasser hat nach Einschätzung von Wintershall Dea einen oberen Grundwassereinleiter erreicht. Hier ist es aufgrund seines Gewichts nur an der Sohle nachweisbar“, teilte das Wirtschaftsministerium jetzt mit. Eine Tiefenbohrung soll genauere Erkenntnisse liefern.

Landrat ist über die Menge entsetzt

Die betroffene Bohrung ist wegen Wartungsarbeiten seit dem 18. Oktober 2018 außer Betrieb. Der Landkreis Grafschaft Bentheim wird seit einiger Zeit kontinuierlich über die Messungen informiert. „Wir sind entsetzt, was die Menge des versickerten Lagerstättenwassers betrifft“, sagte der designierte Landrat Uwe Fietzek (CDU). Der Landkreis fordere statt der vereinbarten vierwöchentlichen Kontrollmessungen jetzt 14-Tage-Intervalle. Über die Höhe des entstandenen Schadens kann Wintershall Dea nichts sagen. „Entscheidend ist, ob von dieser Masse Wasser überhaupt eine Gefahr ausgeht“, sagte Firmensprecher Oberlach.

Einpressbohrung

Bei der Einpressbohrung wird stark mit Wasser versetztes Öl gefördert, das Öl dann vom Wasser getrennt und das verbleibende sogenannte Lagerstättenwasser wieder in die rund 900 Meter tiefe Öllagerstätte zurückgepumpt – ein (eigentlich) in sich geschlossenes System. Die Versenkung in 900 Meter Tiefe soll verhindern, dass Lagerstättenwasser in nutzbare Grundwasserschichten gelangt, die in der norddeutschen Tiefebene bis höchstens 400 Meter Tiefe zu finden sind. Wintershall Dea hat nach eigenen Informationen festgestellt, dass die Rohre in 150 Meter Tiefe undicht waren.

Von Michael B. Berger

CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer geht davon aus, dass die große Koalition in Niedersachsen stabil ist – und will mit diesem Bündnis neue Ziele für den Klimaschutz in Angriff nehmen. Ministerpräsident Stephan Weil als Vorsitzenden der Bundes-SPD hält er für eine gute Lösung, sagt er im HAZ-Interview.

28.07.2019

Es geht um Drogenhandel, Einbrüche, Hehlerei und Geldwäsche: Polizei und Justiz in Niedersachsen kämpfen gegen die Aktivitäten krimineller Clans. Erfolg verspricht ein Konzept aus dem Heidekreis.

25.07.2019

Ingrid Pahlmann (CDU) aus Gifhorn rückt in den Bundestag nach, weil Ursula von der Leyen am Dienstagabend zur neuen EU-Kommissionspräsidentin gewählt wurde.

24.07.2019